Sport : Nicht alle mögen Fitnesstests

Stefan Hermanns

Hamburg – Joachim Löw ist in diesen Tagen mit einer verschärften Form des Fitnesstests vertraut gemacht worden. Ein Journalist aus China unterrichtete den Kotrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft darüber, dass sich auch die Spieler in seiner Heimat einem solchen Test unterziehen müssten – mit einer nicht unbedeutenden Einschränkung allerdings. Wer die Anforderungen nicht erfülle, dürfe in der Liga nicht mehr mitspielen. So resolut sind Löw und sein Vorgesetzter Jürgen Klinsmann nicht.

Man muss darauf noch einmal hinweisen, weil gerade der Eindruck zu entstehen droht, dass der Fitnesstest eine Art Folterinstrument ist. Die „Sport-Bild“ lässt in ihrer aktuellen Ausgabe eine ganze Reihe von Bundesligatrainern zu Wort kommen, die Sinn und Umfang der Leistungsüberprüfung in Frage stellen. „Gerade jetzt einen Ausdauer- und Schnelligkeitstest zu machen, ist nicht ideal“, sagt zum Beispiel Herthas Trainer Falko Götz. Ralf Rangnick von Schalke 04 hat sich bereits am Wochenende kritisch geäußert, weil seine ohnehin geplagten Spieler durch den Test zusätzlich belastet würden. Die Nationalspieler haben gerade den dritten von insgesamt vier Tests vor der Weltmeisterschaft hinter sich gebracht. „Wichtig ist für uns die Kontinuität“, sagt Klinsmann. „Wir wollen sehen, wie die Kurve über die drei, vier Tests hinweg verlaufen ist.“ Leistungsschwankungen, bedingt durch hohe Belastungen in der Liga und im Europapokal, würden sehr wohl berücksichtigt.

Gleich nach ihrer Ankunft in Hamburg haben die Nationalspieler am Montagabend im Fitnessraum ihres Hotels Übungen zu Flexibilität und Stabilität absolviert. „In diesem Bereich haben sich einige eindeutig verbessert“, sagt Löw. Am Dienstag standen fünf Sprints über 30 Meter an, dazu am Nachmittag ein 30-minütiger Ausdauerlauf, bei dem alle 800 Meter das Tempo verschärft wurde. Eine übermäßige Belastung? „Ohne Ball etwas zu machen, ist für Fußballer immer eine komische Geschichte“, sagt Tim Borowski vom SV Werder Bremen. „Es war schon anstrengend. Aber ich denke, dass alle noch stehen können.“

Die Tests dienen den Bundestrainern dazu, Schwächen einzelner Spieler zu erkennen und ihnen anhand objektiv ermittelter Daten zu zeigen, wo und wie sie sich verbessern können. „Ein paar Prozent in allen Bereichen – das reicht“, sagt Joachim Löw. Im Übrigen seien die Spieler froh, „dass sie wissen, wo sie stehen“. Der Streitpunkt ist wohl eher, dass die Bundesligatrainer Kritik an ihrer eigenen Arbeit wittern oder sich durch Klinsmann kontrolliert fühlen. Am Ziel des Ganzen dürfte sich eigentlich kein Streit entzünden. Tim Borowski sagt: „Jeder Trainer freut sich doch, wenn ein Spieler sich verbessert.“

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