Sport : Nicht auf der Höhe

Hertha geht davon aus, dass Nationalspieler Arne Friedrich gegen Italien nicht spielt – obwohl er nominiert ist

André Görke

Berlin. Der Südwest-Rundfunk dreht in diesen Tagen einen Beitrag über Dieter Hoeneß, den Manager des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Fünf Minuten soll der Fernsehfilm dauern, der Titel lautet: „Berühmte Persönlichkeiten aus Baden-Württemberg in Berlin.“ Wenn dem so ist, dann hat am Donnerstag die Persönlichkeit aus Baden–Württemberg mit dem Ehrenbürger der Stadt Hanau telefoniert. Herthas Manager Hoeneß rief am Vormittag Rudi Völler an, den Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, und bat ihn, doch bitte über die Nominierung von Abwehrspieler Arne Friedrich nachzudenken. „Rudi Völler hatte wenig Zeit, er musste gerade zur Pressekonferenz.“ Die wesentlichen Details aber sind geklärt.

Der Wunsch des Berliner Managers besteht darin, dass Arne Friedrich das Testspiel der deutschen Nationalmannschaft am kommenden Mittwoch gegen Italien nicht bestreitet. Der 24 Jahre alte Außenverteidiger gehört mit Marko Rehmer, Michael Hartmann und Fredi Bobic zu den vier Spielern von Hertha BSC, die gestern nominiert wurden. „Dass vier Spieler unseres Vereins im Kader stehen, macht uns stolz. Aber wir haben starke Bedenken bei der Nominierung von Arne Friedrich“, sagt Hoeneß. Aufgrund der enormen Belastung der vergangenen Saison klagte Friedrich in den vergangenen Wochen über anhaltende Beschwerden an der Bauchmuskulatur und fiel deshalb im ersten Saisonspiel von Hertha BSC gegen Werder Bremen aus. Weil die Nationalmannschaft nach dem letzten Spieltag der vergangenen Bundesligaserie zwei Qualifikationsspiele gegen Schottland und Färöer bestritt, verkürzte sich die Regenerationspause auf drei Wochen. „Das war viel zu wenig“, sagte Friedrich zum Trainingsauftakt der Berliner und arbeitete fortan in einer Reha-Klinik. In der Bundesliga bestritt er 33 Spiele, hinzu kommen die Einsätze für Hertha im Europapokal sowie zehn Spiele für die Nationalmannschaft.

Seit einer Woche befindet sich Friedrich im Mannschaftstraining. Am vergangenen Wochenende bestritt er in Stuttgart sein erstes Spiel nach der Verletzung, am Samstag (15.30 Uhr) wird er im Olympiastadion mit Hertha BSC den SC Freiburg empfangen, danach geht es nach Frankfurt. „Würde ich jetzt wieder ein Länderspiel dazwischen bestreiten, wären es wieder drei Spiele in einer Woche“, sagt Friedrich. „Mir wäre es lieber, wenn ich in Ruhe mein Training durchziehen kann und wieder fit werde.“ Zwar sei der Gegner, die italienische Nationalmannschaft, „attraktiv, da will jeder spielen“, aber es ist eben doch nur ein Testspiel. „Bei diesen Terminen sollte sich Arne schonen, gerade weil er noch nicht zu 100 Prozent wiederhergestellt ist“, sagt Manager Hoeneß. Der Teamchef scheint das einzusehen, jedenfalls sagt Hoeneß: „Ich habe mich mit Rudi Völler verständigt, dass Arne nicht spielen wird.“ Das wäre zumindest ein Teilerfolg.

Lieber wäre Hoeneß die Handhabe, wie Völler mit Sebastian Deisler umgegangen ist. Der Mittelfeldspieler des FC Bayern München findet nach seinen Knieverletzungen der vergangenen Jahre langsam zur alten Form zurück. Die Bayern baten Völler deshalb, ihn für das Testspiel gegen Italien gar nicht erst zu nominieren. „Angeschlagene Spieler sollten generell ihren Trainingsaufbau kontinuierlich fortsetzen und erst ihren Rhythmus finden“, sagt Hoeneß.

Auch Herthas Nationalspieler Fredi Bobic ist angeschlagen. Er klagt über anhaltende Rückenschmerzen. Dass auch er geschont werden soll, „war kein Thema“, sagt Hoeneß. „Fredi konnte die Vorbereitung durchziehen und hat seinen Rhythmus.“ Gegen Freiburg müsste er nur mal für Hertha ins Tor treffen.

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