Sport : Nicht auf der Höhe

Die Basketball-Bundesliga kränkelt – ein Vertrag mit dem Pay-TV-Sender Premiere soll Linderung bringen

Benedikt Voigt

Berlin - Es geht Otto Reintjes nicht gut in diesen Tagen. Akut leidet der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga an einer Grippe, doch sein allgemeiner Zustand ist auch nicht in Ordnung. „Ich habe stressbedingt hohen Blutdruck“, sagt Reintjes, „es ist ja kein Geheimnis, dass die letzten eineinhalb Jahre wesentlich belastender waren als die Jahre zuvor.“ Offenbar hängt alles zusammen, der Zustand des Geschäftsführers und der Zustand der Liga.

Vor dem Beginn dieser Saison am Freitag kränkelt die Basketball-Bundesliga. Es gibt deutliche Symptome: In der vergangenen Saison gab es keinen sportlichen Absteiger, weil zwei Klubs während der Saison einen Insolvenzantrag gestellt haben. Vor drei Jahren soll der Namenssponsor der Liga noch fünf Millionen Euro gezahlt haben, inzwischen sei das Namenssponsoring für schon eine Million zu haben. Gefunden hat die Liga trotzdem keinen. Und vor einem Monat stieg das Deutsche Sport-Fernsehen (DSF) aus dem laufenden Fernsehvertrag aus. „Unsere Ziele sind nicht erreicht worden“, sagt Jörg Krause, Leiter der DSF-Kommunikation. Durchschnittlich hatten nur 110 000 Zuschauer die Live- Übertragungen aus der Basketball-Bundesliga sehen wollen.

Die Liga versucht nun der leidigen Quotendiskussion zu entgehen und steht vor dem Abschluss eines Fernsehvertrages mit dem Pay-TV-Sender Premiere. „Statt 20 Live-Spiele werden wir mindestens 65 Live-Spiele haben“, sagt Walter Pütz, Geschäftsführer von Rhein Energie Köln, der den Vertrag mit Premiere aushandelt. Damit verschwände Basketball zwar aus dem frei empfangbaren Fernsehen, doch wäre immerhin die Vorgabe erreicht, unter der die Liga 1999 startete: Sendezeitgarantien und feste Formate. Zu dem Pay-TV-Vertrag scheint es keine Alternative zu geben. „Außer Premiere gibt es doch keinen Sender, der ein Livespiel haben möchte“, sagt Reintjes.

Doch es gibt es auch positive Entwicklungen. Sportlich sind die 16 Vereine so stark wie noch nie, die Liga ist an ihren Standorten für die Zuschauer äußerst attraktiv. In der vergangenen Saison konnte der Zuschauerschnitt erneut gesteigert werden. Neben dem Titelverteidiger Skyliners Frankfurt zählen der Meisterschaftszweite GHP Bamberg und Alba Berlin zu den großen Favoriten auf den Meistertitel. Die Berliner verfügen mit 5 Millionen Euro über den höchsten Etat, gefolgt von Köln mit 3,5 Millionen.

Für den sportlichen Aufschwung zahlt die Liga jedoch einen Preis. Die Fluktuation in den Teams ist so groß wie nie zuvor. 199 Spielertransfers tätigten die 16 Klubs. „Wir haben drei Leistungsträger halten können“, sagt der Bonner Manager Joachim Luksch, „das ist für Bonner Verhältnisse sehr beständig.“ Und die Zahl der deutschen Leistungsträger nimmt weiter ab. Inzwischen ist eine Diskussion entbrannt über eine Quotenregelung für deutsche Spieler. „Das wird ein Dauerthema in den nächsten Monaten und Jahren“, sagt Reintjes. Er wird sich daran nicht mehr beteiligen, er wechselt nach dieser Saison zurück zur Bayer AG. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden, der ehemalige Berliner Manager Carsten Kerner soll ein Kandidat für die Nachfolge sein. Kerner machte zuletzt auch noch einen sehr gesunden Eindruck.

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