Sport : Nicht auf Kampf eingestellt

Luan Krasniqi ergibt sich dem Amerikaner Tony Thompson nahezu wehrlos

Susanne Rohlfing

Berlin - Als Luan Krasniqi im September vor zwei Jahren den Ring in der Hamburger Color Line Arena geschlagen verließ, wurde er als Held gefeiert. Diesmal jedoch kam alles ganz anders. Krasniqi war am Samstag nach Hamburg zurückgekehrt, gegen Tony Thompson aus den USA boxte er um das Recht auf einen Weltmeisterschaftskampf im Weltverband WBO. Doch anstatt sich wie vor knapp zwei Jahren technisch versiert und kampfeswillig zu präsentieren, kassierte Krasniqi eine gehörige Tracht Prügel. Die Ermahnungen von Ringrichter Mark Nelson, endlich anzufangen, sich zu verteidigen, erreichten in der Pause nach der vierten Runde zwar sein Gehirn, doch die entsprechen Befehle schafften es nicht bis in die Fäuste des 36-Jährigen aus Rottweil. So kam der Abbruch durch Nelson nach 2:39 Minuten der fünften Runde völlig zu Recht. Und statt des Jubels von damals sah Krasniqi sich den entrüsteten Pfiffen der 7500 Zuschauer ausgesetzt.

Noch im Ring entschuldigte sich der gebürtige Kosovo-Albaner bei seinen Fans: „Es war einfach nicht mein Tag. Es tut mir Leid, dass ich hier so einen Kampf abgeliefert habe.“ Weder Luan Krasniqi selbst noch sein Hamburger Promoter Klaus-Peter Kohl wollten nach dem Kampf das Karriereende des ehemaligen Europameisters ausrufen. Man wolle nachdenken, sich zusammensetzten, reden, sagten beide. Dass der gelernte Großhandelskaufmann sich ein weiteres Mal in den hinteren Reihen der Schwergewichts-Szene anstellen wird, ist aber eher unwahrscheinlich.

Die Million, die er für den Kampf gegen Thompson kassiert haben soll, dürfte zu einem angenehmen Alltag als ehemaliger Profiboxer beitragen. Und Krasniqis Promoter Klaus-Peter Kohl dürfte am Ende seiner Geduld angelangt sein. Dass er überhaupt so lange an dem sensiblen Schwergewichtler festgehalten hat, liegt wohl an den Vermarktungsmöglichkeiten, die bei Krasniqi immer so ausgezeichnet zu sein schienen: Er war 1987 im Alter von 16 Jahren zu seinem Vater, der bereits seit 1970 in Rottweil lebte, übergesiedelt. Er machte Abitur, eine Lehre und arbeitete in einer Bausparkasse, zudem sammelte er als Amateur Erfolge – seit 1994 als deutscher Staatsbürger. So konnte der Boxstall Universum und der zugehörige Haussender ZDF ihn als Nachfolger in spe von Max Schmeling feiern. Er sollte der erste deutsche Schwergewichts-Weltmeister seit Schmeling werden. Intelligent, redegewandt, smart – Luan Krasniqi hat all die Eigenschaften, die ein deutscher Boxheld vorweisen sollte.

Aber schon 2002 versagten ihm im entscheidenden Augenblick die Nerven: Gegen den Polen Przemyslaw Saleta gab Krasniqi auf, obwohl er in Führung lag. Sein ehemaliger Trainer Michael Timm trennte sich daraufhin von seinem Schützling, da er bei Krasniqi die richtige Einstellung vermisste. Und mit seinem Promotor Klaus-Peter Kohl geriet Krasniqi in Verhandlungen über Gagen und Gegner regelmäßig aneinander.

Am Samstagabend war die Psyche des 36-Jährigen also zum zweiten Mal nicht auf Kampf eingestellt. Universum hat mit dem Ukrainer Alexander Dimitrenko in der WBO-Weltrangliste einen weiteren hoffnungsvollen Boxer im Stall, die Trauer über das bevorstehende Karriere-Ende von Krasniqi dürfte sich also in Grenzen halten. Dimitrenko, ein 25 Jahre alter Zwei-Meter-Hüne, lieferte am Samstag bei seinem technischen K.-o.-Sieg über den Amerikaner Malcom Tann eine Galavorstellung. Und dass auch ukrainische Schwergewichtler knapp 20 000 Menschen in deutsche Arenen locken können hat schließlich erst vor einer Woche Wladimir Klitschko in Köln bewiesen.

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