Sport : Nicht aufgetaucht

Schwimmer Stev Theloke ist in Hamburg bisher nicht angetreten – der Grund ist seine Trainerin

Frank Bachner

Hamburg. Ralf Beckmann schickt selbstverständlich keine Feldjäger. Obwohl das ein schönes Bild wäre: Der Sportsoldat Stev Theloke zwangsvorgeführt aus Chemnitz zur Deutschen Schwimm-Meisterschaft in Hamburg, ausgestattet mit dem Befehl: „Antreten über 50 und 100 Meter Rücken, die eigenen Titel verteidigen, Start auf entsprechendes Kommando." Er hätte gute Chancen gehabt, über 100 m zu gewinnen, Theloke ist über diese Strecke Europameister und hält mit 54,42 Sekunden den Europarekord. „Er hat das Zeug zum Weltrekordler", sagt Beckmann, der Chefbundestrainer.

Theloke ist laut Dienstvertrag gezwungen zu schwimmen. Aber die 100 m Rücken am Donnerstag hat er abgesagt. Erst heute wird er wohl über 50 m Rücken starten. „Ich gehe davon aus, dass er dabei ist“, sagt Beckmann. Der Bundestrainer rät ihm dies dringend. Sonst kann Theloke die WM im Sommer streichen und die Sporthilfe gerät in Gefahr. Und dann dürfte auch die Bundeswehr, Thelokes Arbeitgeber, Druck machen. Hinter Thelokes Verhalten indes steckt eine Geschichte mit fast tragischen Zügen. Theloke hat sich am 4. April von seiner Trainerin Ute Schinkitz getrennt, „aber da ist mehr kaputt gegangen als eine Betreuer-Sportler-Beziehung", sagt Beckmann. Theloke und Schinkitz waren 14 Jahre zusammen, sie hat ihn zur Weltklasse geführt, als er plötzlich nicht mehr wollte, drei Wochen vor der Deutschen Meisterschaft. Für Schinkitz war das ein Schock. „Es hat sehr weh getan." Er hat die Gründe erst später genannt. „Es gab unterschiedliche Auffassungen darüber, wie man Weltklasse wird." Die 41-Jährige ist gescheitert am Menschen Theloke.

Der 25-Jährige war immer zerrissen zwischen seinen Ansprüchen. Er wollte einer der weltbesten Rückenschwimmer sein, aber er wollte zugleich auch das Leben genießen. Er raste mit einem 146-PS-Motorrad über die Straßen, war Stammgast bei McDonalds, ließ selten eine Party aus und fühlte sich doch zugleich seinem überragenden Talent und seinen Fähigkeiten verpflichtet. Ute Schinkitz hat das alles mitgemacht, sie hatte ihn vor der Europameisterschaft 2002 sogar auf ihren Kurs gebracht. Theloke verkaufte sein Motorrad, mied die Big Macs und wurde Europameister. „Aber es gab eine Art Rückfall", sagt Ute Schinkitz vorsichtig. Trotzdem lag sie mit ihm im Training im Plan. „Es gab keine Anzeichen für so eine Reaktion.“ Seit ihrer Aussprache mit dem Schwimmer, kurz nach dem 4. April, hat sie ihn nicht mehr gesehen, aber Theloke leidet offenbar sehr.

Ute Schinkitz würde ihn wieder aufnehmen, „aber nur unter bestimmten Bedingungen“. Er müsste ordentlich trainieren, bedeutet das. „Aber um zurückzukommen, müsste er ja Fehler eingestehen", sagt die Trainerin. Und das kann der sensible Theloke offenbar nicht. Beckmann favorisiert auch nicht unbedingt eine sofortige Wiederaufnahme dieser Beziehung. Theloke solle ruhig erstmal einen anderen Trainer haben. Beckmann versuchte gestern, Theloke zu einem Start zu überreden. Das Ergebnis wird man heute sehen. In der nächsten Woche sieht er den Athleten ganz sicher. „Da haben wir ein Diensttreffen des DSV.“ Und wenn der sensible Athlet selbst dann nicht auftaucht? Beckmann blinzelt kurz, dann sagt er: „Dann schicken wir wirklich die Feldjäger."

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