Sport : „Nicht das Wohlbefinden entscheidet“

Sportrechtler Fröhlich zu Herthas Chancen.

Foto: Promo
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Herr Fröhlich, bevor das DFB-Sportgericht am heutigen Freitag ab 13.30 Uhr über den Einspruch von Hertha BSC gegen die Wertung des Relegationsrückspiels bei Fortuna Düsseldorf verhandelt, interessiert vor allem eine Frage: Ist ein Spiel immer regulär beendet, wenn der Schiedsrichter abpfeift?

Im konkreten Fall würde ich die Frage klar mit „Ja“ beantworten. Prinzipiell ist es so, dass ein Spiel vom Anpfiff bis zum Schlusspfiff dauert. Das Spiel wurde ordnungsgemäß abgepfiffen, nach einer ausreichenden Nachspielzeit. Die Möglichkeit, sich auf eine nicht ordnungsgemäße Beendigung des Spiels zu berufen, ist für Hertha schlicht nicht gegeben.

Was ist mit der „Todesangst“, die die Hertha-Spieler laut Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt in den letzten Minuten der Verlängerung durchlitten haben?

Was will Hertha jetzt anderes sagen, als dass das Spiel nicht ordnungsgemäß zu Ende gebracht wurde? Prinzipiell entscheidet aber nicht das seelische Wohlbefinden der Fußballer über die Rechtmäßigkeit eines Spielverlaufs. Und prinzipiell sind auch Unterbrechungen erst einmal unschädlich. Wir haben in diesem Spiel zwei Unterbrechungen gehabt – einmal, nachdem aus dem Hertha-Block Bengalos geworfen wurden, einmal, nachdem die Düsseldorfer Fans den Platz gestürmt haben. Die These, dass das Spiel nicht ordnungsgemäß zu Ende geführt wurde, halte ich für sehr gewagt.

Ist es eigentlich für das DFB-Gericht von irgendeinem Interesse, dass sich beide Fanlager danebenbenommen haben?

Der Verweis darauf wird es dem Sportgericht leichter machen, ein für Hertha unbefriedigendes Konsensurteil zu begründen – aus dem zwar für beide Vereine Sanktionen folgen, jedoch nicht ein Wiederholungsspiel festgesetzt wird. Aber eine sportrechtliche Relevanz hat das nicht.

Spielt es in der Frage nach einem Wiederholungsspiel irgendeine Rolle, dass Düsseldorf als Heimverein die gesamte Verkehrssicherheit im Stadion offenkundig nicht gewährleisten konnte?

Das wäre meiner Einschätzung nach nur der Fall, wenn der Heimverein seinen Ordnungssicherungspflichten in krasser Weise nicht nachkommt – wenn er Auflagen der DFL nicht einhält und es deshalb zu Gewalt kommt. Das war hier nicht so.

Die Fragen stellte Johannes Schneider.

Siegfried Fröhlich, 36, ist Fachanwalt für Sportrecht und berät Berufssportler und Sportvereine. Er ist geschäftsführender Partner in der Kanzlei „Fröhlich & Arnold“ in Partenheim bei Mainz.

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