Sport : Nicht die Spitze genommen

Hertha BSC kann beim Tabellenführer Schalke 04 nur eine Halbzeit lang mithalten und verliert 0:2

Ingo Schmidt-Tychsen[Gelsenkirchen]

Am liebsten hätten sich die beiden jungen Hertha-Spieler irgendwo versteckt. Chinedu Ede hielt sich beide Hände vors Gesicht. Der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler wollte niemanden mehr sehen in der mit 61 482 Zuschauern ausverkauften Arena auf Schalke. Einsam stand er auf dem Rasen in der Nähe der Mittellinie, ein paar Meter weiter lag der 18-jährige Jerome Boateng auf dem Boden. Schalkes Peter Lövenkrands hatte soeben einen Konter zum 2:0 für Schalke abgeschlossen, zuvor war Ede der Ball am gegnerischen Strafraum nach einem misslungenen Dribbling verloren gegangen. Jerome Boateng hätte den vorentscheidenden Treffer beinahe noch verhindert, seine Grätsche aber erreichte den Ball nicht mehr. Das Spiel endete für Hertha unglücklich. Aber unverdient war die 0:2 (0:0)-Niederlage beim Tabellenführer dennoch nicht.

„Wir haben vor den Gegentoren Anfängerfehler gemacht“, sagte Hertha-Kapitän Arne Friedrich. Verteidiger Jerome Boateng hatte vor dem 0:1 von Schalkes Kevin Kuranyi nicht gut genug aufgepasst. „Da kann man Jerome aber keinen Vorwurf machen“, sagte Friedrich. „Er ist halt noch jung.“ Hertha BSC fehlten in einem guten Bundesliga-Spiel Erfahrung und Cleverness, um einen Punkt zu gewinnen. Die Gelsenkirchener dagegen konnten mit ihrem Sieg den Vorsprung an der Tabellenpitze auf sechs Punkte ausbauen (siehe Artikel rechts).

Für Herthas Manager Dieter Hoeneß war es eher „der fehlende Mut“, der einen Erfolg seines Teams verhinderte. „Die erste Halbzeit war gut, wir waren klar besser“, meinte Hoeneß. „Vielleicht hatten wir dann etwas zu viel Respekt vor dem Gegner und der Atmosphäre.“ Tatsächlich hatte Hertha in den ersten 45 Minuten zielstrebiger gespielt als die Gastgeber. Vor allem die beiden Brasilianer Gilberto und Mineiro kreierten aus dem Mittelfeld heraus Tormöglichkeiten, indem sie die Stürmer Marko Pantelic und Christian Gimenez im Strafraum anspielten. Mineiro war von Hertha erst vor eineinhalb Wochen verpflichtet worden, er spielte erstmals von Beginn an. Die Verständigung mit seinen Mannschaftskollegen funktionierte zumindest in der ersten Hälfte der Begegnung, im defensiven Mittelfeld liefen Mineiro und Pal Dardai häufig in die leeren Räume und lähmten damit das Offensivspiel des Gegners. Dieter Hoeneß fand die Leistung seines Neuen „ordentlich“. Für 90 Minuten hätte die Kraft bei Mineiro noch nicht gereicht. In der 67. Minute wurde der 31-Jährige ausgewechselt. Kurz zuvor waren die Berliner mit 0:1 in Rückstand geraten. „Es kam, wie es kommen musste bei einer Spitzenmannschaft, wenn man zuvor Torchancen auslässt“, sagte Hertha-Trainer Falko Götz. Schon nach sechs Minuten hätte Hertha in Führung gehen können: Gimenez köpfte nach einer Flanke von Gilberto gefährlich aufs Tor, doch Torwart Manuel Neuer regierte glänzend. Kurz darauf entschärfte Neuer einen gefährlichen Linksschuss von Marko Pantelic. Nach dem sehr laufintensiven Beginn wurden Herthas Spieler allerdings nachlässig.

Besonders bei Angriffen über die Außenpositionen und nach Standardsituationen geriet die Berliner Hintermannschaft in Schwierigkeiten. Kurz vor dem Seitenwechsel hätte Peter Lövenkrands bereits die Führung für Schalke erzielen müssen. Sein Schuss aus fünf Metern prallte jedoch genau gegen das Becken von Torwart Christian Fiedler, der ein starkes Spiel machte.

In der zweiten Hälfte dominierte Schalke von Beginn an. In der 63. Minute konnte Fiedler einen Schuss von Gustavo Varela aus drei Metern Entfernung noch abwehren. Kurz darauf aber musste der Torwart den Ball doch aus dem Netz holen, eine Ecke von Schalkes Lincoln hatte Kuranyi vor seinem Gegenspieler Jerome Boateng ins Tor geköpft. „Wir müssen bei Standardsituationen besser aufpassen“, sagte Hoeneß. Ruhende Bälle hatten die Berliner bereits in der vergangenen Saison häufig vor Probleme gestellt. Das 0:2 elf Minuten später nach einem Konterangriff war folgerichtig – die Berliner hatten kaum noch Druck entwickelt. „Wir verschenken so viele Punkte. Warum?“, fragte Pantelic und zuckte dazu mit den Achseln. Ohne eine Antwort abzuwarten entschwand der Stürmer in die Mannschaftskabine.

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