Sport : Nicht dominant, aber glücklich

Beim Großen Preis von Australien wird Weltmeister Sebastian Vettel Zweiter hinter Jenson Button.

Karin Sturm[Melbourne]
Ausnahmsweise darfst du mal. Sebastian Vettel (links) gratuliert Jenson Button zu dessen Sieg in Melbourne. Foto: dpa
Ausnahmsweise darfst du mal. Sebastian Vettel (links) gratuliert Jenson Button zu dessen Sieg in Melbourne. Foto: dpaFoto: dpa

Er war zwar nur Zweiter – aber er strahlte genauso glücklich wie der Sieger Jenson Button: Für Sebastian Vettel war der zweite Platz beim Grand Prix von Australien mindestens so wertvoll wie viele seiner Siege in der vergangenen Saison. Denn der amtierende Weltmeister war nur vom sechsten Startplatz aus ins Rennen gegangen, Red Bull hatte am Freitag und auch am Samstag im Albert Park noch einige Probleme gehabt. An der Strecke in Melbourne waren bereits Stimmen laut geworden, die Vettel und seinem Team eine ähnlich dominante Rolle wie in den vergangenen beiden Jahren nicht mehr zutrauen. Im Rennen hatte Vettel dann gegen Jenson Button im McLaren-Mercedes zwar noch nicht wirklich eine Chance, den zweiten McLaren-Piloten, Lewis Hamilton, der sich am Samstag noch die Poleposition gesichert hatte, hielt er aber hinter sich. Wohl auch, weil bei Hamilton wieder eine seiner alten Schwächen sichtbar wurde: Der Brite kann über die Distanz einfach nicht so gut mit den Reifen haushalten wie sein Teamkollege Button und auch Vettel.

„Glückwunsch an Jenson, er war heute unbesiegbar“, sagte Vettel. „Ich bin aber auch mit Platz zwei glücklich, das hätten einige Leute gestern nicht gedacht. Man hat unser Potenzial gesehen. Jetzt liegt es an uns, den Rückstand auf McLaren komplett aufzuholen.“ Denn natürlich gefalle es ihm und seinem Team „gar nicht, wenn die da vor uns herumfahren“. Woraufhin Sieger Button prompt konterte: „Ich glaube, da werdet ihr euch dran gewöhnen müssen.“

Eine vom Russen Witali Petrow im Caterham ausgelöste Safety-Car-Phase hatte Vettel ein bisschen geholfen, beim Boxenstopp an Hamilton vorbeizugehen. Danach versuchte der Weltmeister sogar kurzfristig eine Attacke auf Button: „Ich dachte, dass ich in einer guten Position wäre, um Jenson anzugreifen, aber zwei Kurven später war er weg.“ Wenig später stellte Vettel alle weiteren Attacken sogar ganz ein. „Sebastian hat genug Vorsprung auf Hamilton gehabt“, sagte Red-Bull-Motorsportdirektor Helmut Marko, „und es wäre blöd gewesen, irgendwas zu riskieren mit einem hier ja noch immer nicht optimal liegenden Auto.“ Marko ist sich sicher, dass Red Bull an diesem ersten Renn-Wochenende der Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht hat, auch wenn es mit dem ersten Sieg nicht ganz klappte. „Es war lustig zu sehen, wie die großen Experten festgestellt haben, wir sind weg vom Fenster, es wäre vorbei mit Red Bull“, sagte Marko. „Doch da sind wir weit von entfernt. Wir schauen sehr positiv auf das nächste Rennen in Malaysia.“

Vettel hatte jedenfalls schon im Albert Park seinen Spaß – auch bei einigen eher kuriosen Zwischenfällen. Zuerst musste das ganze Feld in der Safety-Car-Phase dem Kranwagen hinterherschleichen, der zur Bergung des Petrow-Autos ausgerückt war: „Da dachte ich, wir stehen auf der A5 im Stau. Zwischendurch war dann noch ein Streckenposten auf der Strecke“, sagte Vettel. „Heute ging es schon drunter und drüber, da fehlte nur noch das Känguru auf der Strecke.“

Vettel ist zwar erstmals seit 490 Tagen nicht mehr WM-Führender und musste diese Position an Button abgeben, der letztes Jahr schon Vize-Weltmeister war und auch in dieser Saison zum härtesten Rivalen des Heppenheimers werden könnte. Trotzdem wollte Vettel vor allen Dingen Positives aus dem ersten Saisonrennen mitnehmen. „Wir haben heute sehr viel gelernt. Das Auto hat Potenzial und das macht uns Mut“, sagte Vettel. „Wir müssen uns nicht verstecken. Die Geschwindigkeit war ordentlich, aber noch nicht ganz am Maximum.“ Er verstehe seinen neuen Rennwagen nun besser, am kommenden Wochenende in Malaysia soll der nächste Entwicklungsschritt folgen. „Es war wichtig, dass wir heute viele Runden fahren konnten. Und jetzt geht es darum, das in der nächsten Woche umzusetzen.“

Für die anderen deutschen Piloten neben Vettel und den Mercedes-Fahrern (siehe nebenstehenden Text) endete der Saisonauftakt unterschiedlich. Während sich Timo Glock an seinem 30. Geburtstag freuen konnte, mit dem Marussia bei dessen ersten Auftritt auf Platz 14 ins Ziel gekommen zu sein, endete Nico Hülkenbergs Rennen nach Berührung mit Mark Webbers Boliden schon in der ersten Kurve: „2010 bin ich hier auch nicht weitergekommen“, sagte Hülkenberg. „Anscheinend mag es der Albert Park nicht, dass ich hier mal länger fahre.“

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