Sport : Nicht hungrig genug

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Vor der Saison wollte Alba Berlin ausnahmsweise mal nicht der Favorit sein. Die Basketball-Bundesliga sei stärker und ausgeglichener geworden, sagten die Vereinsverantwortlichen, das eigene Budget knapper. Dass die Übergangssaison mit dem neuen Trainer Gordon Herbert nach der gestrigen 60:66-Niederlage in Würzburg nun schon im Viertelfinale endet, ist trotzdem ein Schock für die Berliner. Denn absehbar war das blamable Scheitern nicht. Zumindest nicht an der Oberfläche.

Vor einem Jahr waren die Berliner erst in den letzten Sekunden der Finalserie am Meistertitel vorbeigeschrammt. Dabei waren die Voraussetzungen mit einer Trainerentlassung, Niederlagen in Serie und vielen Transfers deutlich schlechter als in der aktuellen Saison, die weitgehend harmonisch verlief. Doch die Ruhe, in der Herbert arbeiten konnte, täuschte darüber hinweg, dass Albas Team zwar tief, vielseitig und qualitativ hochwertig besetzt war, eine entscheidende Eigenschaft aber vermissen ließ: Hunger. Hunger auf Siege, Hunger auf Titel, Hunger darauf, die verlorene Dominanz im deutschen Basketball zurück zu erobern. Würzburg war sicher ein höchst unangenehmer Play-off-Gegner, der Aufsteiger und Tabellensechste der regulären Saison ist aber keineswegs eine Übermannschaft. Jeder Würzburger zeigte in den vier Spielen gegen Alba aber, dass er für sein Team und einen Sieg zu jeder Sekunde alles tun würde. Auch bei einigen Berlinern gab es diese Einstellung. Aber eben nicht bei allen – auch wenn der Wille an die eigenen Grenzen zu gehen, am Dienstagabend noch einmal spürbar war.

So muss sich der Klub erneut auf die Suche machen nach bezahlbaren Spielern, die Albas hohen basketballerischen Ansprüchen genügen und gleichzeitig hungrig auf Erfolg sind. Diese Aufgabe wird nach dem enttäuschenden Aus nicht einfacher. Seite 23

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