• Nicht in den Himmel loben, sonst kommt die nächste Enttäuschung ganz schnell (Kommentar)

Sport : Nicht in den Himmel loben, sonst kommt die nächste Enttäuschung ganz schnell (Kommentar)

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Die Reaktion von Erich Ribbeck war wohltuend und weitsichtig zugleich. "Man sollte uns jetzt bloß nicht in den Himmel loben", meinte der Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Und bei seiner Analyse des 4:0-Sieges gegen Finnland war nichts Triumphierendes in seiner Stimme. Keine Abrechnung mit Kritikern. Nur so viel: "Ich bin nicht nachtragend." Die Fußballanhänger in Deutschland sind es schon, nach den vielen Enttäuschungen in der jüngsten Vergangenheit.

Doch es sind Spiele wie das gegen Nordirland am Mittwoch, mit denen die DFB-Elf ihre Fangemeinde langsam zurückgewinnt. Nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch, weil nicht nur gekämpft wurde, endlich wurde wieder gespielt und munter kombiniert. Die Mannschaft tat etwas zur Unterhaltung des Publikums, das eben auch ein bisschen Illusion, ein wenig Theater und etwas Unerwartetes erleben will. Eine neue Qualität war zudem, dass sich die Spieler nach dem klaren Vorsprung nicht schon für das nächste Spiel in Bundesliga, Premier League oder Seria A schonten.

Die Europameisterschafts-Qualifikationsspiele gegen Moldawien (6:1), Finnland (2:1) und Nordirland haben eine positive Tendenz erkennen lassen, die Mannschaft scheint immer besser zusammenzuwachsen, durch das spielerische Vermögen von Mehmet Scholl und Christian Ziege erfuhr sie jetzt noch eine dringend notwendige Blutauffrischung. Zu Recht wehrt sich Ribbeck aber gegen gleich wieder aufkommende Euphorie, denn auch ihm ist klar, dass Moldawien, Finnland und Nordirland Gegner der zweiten Kategorie sind, in die man die Deutschen nach teilweise indiskutablen Leistungen auch schon einordnen musste.

Erfolge der Vergangenheit bleiben eine Last für das Team von heute. Die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit besteht aus zwei Teilen: Erwartet wird nicht nur ein Sieg, Pflicht ist auch ein gutes Spiel. Dass beide Komponenten eintreffen, wie beim 4:0, wird so schnell nicht Normalität werden. Erich Ribbeck, der heute vor einem Jahr sein Amt antrat, weiß das. Spieler und Fans sollten es auch wissen. Sonst kommt die nächste Enttäuschung ganz schnell.

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