Sport : Nicht mehr lang gefackelt

Politik und Profifußball beschließen schärfere Maßnahmen gegen Fangewalt und Pyrotechnik.

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Berlin - Der Bundesinnenminister fasste die Ergebnisse des Tages am markantesten zusammen. „Keine Gewalt, keine Pyrotechnik. Klare Grenzen mit klaren Sanktionen“, sagte Hans-Peter Friedrich, nachdem er sich am Dienstag mit Vertretern des Profifußballs zu einer Sicherheitskonferenz getroffen hatte. Bei der Tagung mit dem Titel „Für Fußball. Gegen Gewalt“ war ein Maßnahmenkatalog herausgekommen, der härtere Strafen gegen auffällige Fans vorsieht. Unter anderem können Stadionverbote künftig für fünf oder zehn Jahre ausgesprochen werden, bislang waren drei Jahre das maximale Strafmaß. Die Abschaffung der Stehplätze in Stadien hingegen, über die Friedrich zuletzt laut nachgedacht hatte, ist erst einmal vom Tisch.

„Was zu bestrafen ist, ist zu bestrafen“, sagte Reinhard Rauball, der Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Dass Rauball hinzufügte, auch der Dialog mit den Fans dürfe „nicht abreißen“, mag vielen Fußball-Anhängern wie ein Hohn vorgekommen sein. Fanvertreter waren zu der Tagung im Berliner Hotel Intercontinental schließlich nicht eingeladen worden.

So blieben die DFL, der Deutsche Fußball-Bund (DFB), die Vertreter der Politik und die Vereine der drei höchsten Spielklassen unter sich. „Wir machen gemeinsam Front gegen Gewalt, es gibt eine Null-Toleranz-Politik ab der kommenden Saison“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. „Wir wollen einen Weg skizzieren, der dazu führt, dass Gewalttäter aus unseren Stadien verbannt werden.“ Gestern wurde klar, dass der Fußball und die Politik diesen Weg vor allen Dingen zu zweit beschreiten wollen.

Noch im November hatte ein Runder Tisch zum Thema Fußballgewalt betont, die Zusammenarbeit mit Fußball-Anhängern sei unverzichtbar. Auch am Dienstag bekräftigten Rauball und Niersbach, mit den Fans im Gespräch bleiben zu wollen. „Wir hören die Fans“, sagte Rauball, relativierte diese Aussage allerdings gleich wieder: „Heute haben die zusammengesessen, die in der Verantwortung sind und dafür geradestehen müssen.“

Die Vereine aus Erster, Zweiter und Dritter Liga einigten sich zudem auf einen „Verhaltenskodex“, in dem sie festschreiben, Gewalt zu verurteilen, Pyrotechnik nicht zu dulden und für konsequente Bestrafung einzutreten. Als einziger der 54 Profiklubs unterschrieb der 1. FC Union den Kodex nicht, der Berliner Zweitligist war der Konferenz ferngeblieben. Union-Präsident Dirk Zingler teilte dazu mit: „Die Kürze der Zeit ließ eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Vorschlag für einen gemeinsamen Kodex sowie eine Diskussion über Maßnahmen zu den Bereichen Prävention, Kontrollsysteme und Sanktionierung leider nicht zu.“ Der Entwurf für den Kodex sei den Klubs erst 20 Stunden vor der Veranstaltung zugesandt worden. Ein breiter Konsens innerhalb des Vereins sei aber „zwingende Voraussetzung“, um weitreichende Maßnahmen umsetzen zu können, sagte Zingler. „Ein Kodex, der sich auf das Verhalten der Union-Fans auswirken soll, kann nur mit ihnen gemeinsam erarbeitet und umgesetzt werden.“ Unions Sprecher Christian Arbeit nannte den Sicherheitsgipfel sogar eine „Akklamationsveranstaltung“.

Neben den härteren Sanktionen kündigte die DFL an, die Prävention zu stärken, indem die Klubs ihren Beitrag zur Finanzierung der Fanprojekte um 50 Prozent erhöhen. Bislang kommen Vereine, Kommunen und Länder zu je einem Drittel für den jährlichen Etat von rund neun Millionen Euro auf, der Anteil der Fußballklubs würde somit von rund drei Millionen auf 4,5 Millionen Euro steigen. Unklar blieb, ob sich damit auch die Gesamtfinanzierung der bundesweit knapp 50 Fanprojekte erhöht: In der offiziellen Pressemitteilung von DFL und DFB heißt es, die Länder und Kommunen würden „erheblich entlastet“, nach dieser Auslegung würde die Gesamtsumme gleich bleiben.

Ein paar hundert Meter von der Tagung entfernt hatten Fanorganisationen zum Gespräch geladen, die Einladung galt ausdrücklich auch den Teilnehmern der Sicherheitstagung. Nach der Verkündung der Ergebnisse war die Stimmung bei den Fans gedrückt. „Wir haben nicht erwartet, dass das so krass ausfallen würde“, sagte Jakob Falk von ProFans. „Unsere monatelangen Bemühungen wurden torpediert.“ Er erwarte eine „große Protestbewegung“. ProFans-Sprecher Philipp Markhardt sagte: „Wenn das durchgesetzt wird, ist der Dialog endgültig gescheitert.“

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