Sport : Nicht nur mitfahren, sondern gewinnen

Zanardi feiert seinen ersten Sieg in einem Autorennen, seit er bei einem Unfall beide Beine verlor

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Oschersleben Alessandro Zanardi hat bei der Tourenwagen-Weltmeisterschaft einen einzigartigen Erfolg gefeiert: Beim 7. WM-Lauf am Sonntag in Oschersleben gewann der Italiener sein erstes Rennen seit seinem schweren Unfall 2001 beim Champ-Car-Rennen auf dem Lausitzring, bei dem er beide Beine verloren hatte. Am Sonntag sprach Zanardi von einem außergewöhnlichen Sieg: „Das ist ein magischer Moment für mich. Jahrelang habe ich auf dieses Ziel hingearbeitet.“ Und weiter: „Ich habe immer gesagt: Wenn ich wieder im Rennwagen sitze, will ich nicht nur mitfahren, sondern gewinnen.“

Es war der 15. September 2001: Zwölf Runden vor Schluss hatte der zweimalige Cart-Champion Zanardi gerade seinen letzten Boxenstopp absolviert, als sein Fahrzeug in der lang gezogenen Boxenausfahrt ins Schleudern geriet und in die erste Kurve des Rundkurses rutschte. Alex Tagliani konnte nicht mehr ausweichen und traf den Reynard Honda von Zanardi mit hoher Geschwindigkeit seitlich. Zanardis Auto wurde dadurch in zwei Teile gerissen. Die Ärzte retteten Zanardis Leben, musste ihm aber beide Unterschenkel amputieren.

Zwei Jahre später saß der ehemalige Formel-1-Fahrer wieder in einem Rennwagen. 2004 fuhr er das Unglücksrennen vor tausenden Fans auf dem Lausitzring symbolisch zu Ende. „Ich bin ein Mensch, der in der Gegenwart lebt. Ich muss mir die Bilder nicht ständig anschauen, um zu merken, dass mein Leben schwieriger geworden ist“, sagte er. Kurz danach stieg er in die Tourenwagen-WM ein.

Das BMW-Team hatte Zanardis Tourenwagen bereits in der vergangenen Saison für seine Bedürfnisse umgebaut. Er gibt Gas mit der Hand, die Kupplung ist halbautomatisch. Die Sitzposition wurde wegen der beiden Prothesen komplett verändert. Das Bremspedal ist jetzt dort, wo sich normalerweise das Gaspedal befindet. Zanardi, der sich ein Leben ohne Rennsport nie vorstellen mochte, kam damit immer besser zurecht. Wie er gestern vor 41 000 Zuschauern in Oschersleben in der Endphase die Angriffe von Jörg Müller und Andy Priaulx abwehrte und letztlich vor seinen BMW-Markenkollegen gewann, das erinnerte an seine großen Rennfahrerzeiten.dpa/Tsp

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