Sport : Nicht nur Opel baut in Bochum ab Der VfL schlittert immer tiefer in die Krise

Richard Leipold

Bochum – Bevor sie ans Werk gingen, hielten Spieler und Fans des VfL Bochum auf der Osttribüne ein Transparent hoch. „Opel gehört zu Bochum wie der VfL“. Es war eine Solidaritätsadresse des Fußball-Bundesligisten an die Arbeiter des Autoherstellers, der in seinem Bochumer Werk viertausend Stellen abbauen will. Doch an diesem Tag spiegelte das Geschehen auf dem Fußballplatz nur den Abstieg des Opel-Standorts wider, an dem die zuletzt wild streikenden Arbeiter befürchten, das Werk werde in nicht allzu ferner Zukunft ganz geschlossen.

Eine Schließung steht dem VfL Bochum zwar nicht bevor, aber ein Abstieg erscheint nach der jüngsten Leistung durchaus im Bereich des Möglichen. Beim 0:1 gegen Hansa Rostock fehlten den Westfalen Inspiration und Leidenschaft. Das aber wäre nötig, um mit voller Inbrunst Fußball zu spielen wie in der vergangenen Saison, als noch alles wie von selbst zu laufen schien. Die anfängliche Solidarität hatte sich auch schnell erübrigt. Die VfL-Fans verhöhnten den ungeschickten Stürmer Lokvenc, als wäre er ein Fremder. Neururer zeigte sich angewidert von den „eigenartigen Gesängen“ und reagierte in der ersten Wut mit einer Geste, die unter Autofahrern als „Scheibenwischer“ bekannt ist. Eine Stunde nach dem Schlusspfiff hatte der Trainer sich immer noch nicht beruhigt. „Wer sich so verhält, soll zu Hause bleiben, lieber haben wir ein paar Zuschauer weniger.“

In Bochum ist einiges durcheinander geraten, nicht nur bei Opel. „Die Mannschaft steckt in einem Tief“, sagt Torhüter Rein van Duijnhoven. Dieser Befund ist das Ergebnis eines schleichenden Prozesses, der schon ein paar Wochen andauert, zunächst aber ignoriert wurde. Es fing an mit zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen, die manchen Punkt kosteten, setzte sich fort mit vermeidbaren Fehlern und gipfelte vorerst im selbstverschuldeten Scheitern in der letzten Minute der ersten Europapokalrunde. Seitdem spielt auch der Genosse Trend gegen Bochum, als trage er das Trikot des Gegners.

Für den Trainer ist die Arbeit nach den Misserfolgen stressiger geworden. Nach dem Spiel wollte Peter Neururer zur Entspannung eine Zigarette rauchen. „Hat jemand Feuer?“, fragte er in die Runde. Die Nichtraucher unter seinen Gesprächspartnern schüttelten den Kopf, die Raucher kramten in ihren Taschen und wurden zunächst nicht fündig. „Schlechte Zeiten“, murmelte Neururer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben