Sport : Nicht nur Teamchefs sind ersetzbar (Kommentar)

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"Jeder ist ersetzbar. Ein Präsident ebenso wie ein Teamchef", hatte Georg von Waldenfels nach seiner Wahl zum Präsidenten des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) verkündet. Dass diese keine Sprechblase war sondern ein Prinzip seiner Amtsführung definiert, hat Waldenfels schnell verdeutlicht. Er war es, der Boris Becker davon überzeugte, von seinem Amt als Teamchef ohne eigentliche Funktion zurückzutreten. Seitdem hat Beckers Freund Carl-Uwe Steeb als Team-Kapitän den Rücken frei.

Zugleich schien Waldenfels einen gordischen Knoten durchschlagen zu haben. Denn Deutschlands Nummer eins, Nicolas Kiefer, hatte sich trotz allen Zuredens stur gestellt: solange Becker im Davis Cup das Sagen habe, werde er nicht spielen. Das entfällt inzwischen. Dennoch will Kiefer auch anno 2000 nicht. Die neue Begründnung ist ähnlich fragwürdig wie die alte: der Turnierplan ließe keine Luft für Auftritte im Davis Cup. Dort gibt es keine Punkte für das "Champion Race", die neue Weltrangliste. Aber das trifft auf das olympische Turnier gleichfalls zu. Doch das reizt Kiefer.

Spätestens jetzt ist klar, dass Kiefer einfach keine Lust auf Davis Cup hat. Wer vermittelt ihm nun, dass es im Leben außer Lust und Laune auch so etwas wie Pflichten gibt? Nicht unbedingt für Volk und Vaterland. Aber wohl gegenüber dem Verband, dessen Förderung er seinen Aufstieg zum Top-Ten-Spieler und Millionär verdankt. Und gegenüber den Zuschauern, die den Stellenwert des Tennis bestimmen. Kiefer gefährdet auch seinen bei der ATP-WM erworbenen Kredit bei den Fans. Vielleicht dämmert ihm davon ein wenig - wenn der DTB hart bleibt und das NOK mitzieht.

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