Sport : Nicht ohne meinen Trainer

Die Bundestrainer haben eine Lösung für das Teamrennen gefunden – Claudia Pechstein passt sie nicht

Friedhard Teuffel

Berlin - Es dauert bei deutschen Eisschnellläuferinnen höchstens ein paar Tage, und ein in aller Harmonie geschlossenes Abkommen wird wieder kritisiert. Diesmal geht es um den neuen Wettbewerb, die Mannschaftsverfolgung. Dafür waren bislang die beiden Bundestrainer Joachim Franke und Markus Eicher zuständig. Doch als die besten deutschen Läuferinnen Claudia Pechstein, Anni Friesinger, Sabine Völker und Daniela Anschütz vor zehn Tagen beim Weltcup in Berlin auf einmal nicht mehr mitmachen wollten, fiel eine Entscheidung: Cheftrainer Helmut Kraus übernimmt die Koordination. So haben es alle Bundestrainer einvernehmlich beschlossen.

Vielleicht hätten sie auch noch Claudia Pechstein fragen sollen. Die Olympiasiegerin hätte möglicherweise ein Veto eingelegt. Sie ist jedenfalls nicht mit dem Aufgabenverlust ihres Trainers Franke einverstanden. Dem Fernsehsender „TV Berlin“ sagte sie: „Ich denke, dass sich Kraus sehr viel auf seine Kappe schreibt, was die Ideen von Eicher und Franke sind. Kraus sonnt sich gerne im Erfolg.“ Pechstein hat diesmal also nicht über ihre Rivalin Anni Friesinger gelästert, sondern über den Cheftrainer der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Dann sagte sie noch: „Es ist natürlich so, wie es in den Medien steht: Franke entmachtet.“

Natürlich? Ein wenig rätselhaft ist es, dass Pechstein von einer Entmachtung spricht. Der Mannschaftswettbewerb ist eine junge Disziplin, kein großer Herrschaftsbereich. Kraus selbst kann die Kritik daher auch nicht verstehen: „Es geht nicht um Macht und Kompetenz, sondern um Verantwortung.“ Franke und Eicher habe er nichts weggenommen, er halte ihnen vielmehr den Rücken frei. „Erste Priorität hat für die Bundestrainer die Ausprägung der Individualleistung.“

Im Moment sollte ohnehin Ruhe herrschen um den Mannschaftswettbewerb. Denn die nächste Gelegenheit zum gemeinsamen Laufen haben die deutschen Frauen erst Ende Januar beim Weltcup in Baselga di Piné. Es ist der letzte Wettkampf vor der Weltmeisterschaft in Inzell Mitte März. In der Pause bis zum Weltcup in Baselga di Piné will Kraus ein Konzept erarbeiten, also die theoretische Vorleistung für ein erfolgreiches Abschneiden der Mannschaft bei der WM. Kraus wird zum Beispiel überlegen, wer laufen soll. Die praktische Vorbereitung wird Kraus dann im nächsten Jahr wieder an die anderen Bundestrainer abgeben. Je nachdem, welche Läuferinnen Interesse an der Mannschaft haben, wird er sie an den Berliner Joachim Franke abgeben, oder an Anni Friesingers Trainer Markus Eicher aus Inzell. Vielleicht aber auch an Stephan Gneupel aus Erfurt, der Daniela Anschütz und Sabine Völker trainiert. Es ist also nur ein kurzes Interregnum von Kraus, dennoch hat sich Pechstein gleich darüber aufgeregt. Vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass sie doch auf einmal mehr Wert legt auf den Mannschaftswettbewerb. In Berlin beim Weltcup war er für sie und die anderen drei besten Läuferinnen nur eine Gefahr für gute Leistungen auf den Einzelstrecken. Der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft liegt auf jeden Fall viel an der Mannschaft, und Cheftrainer Kraus sagt: „Was in Berlin geschehen ist, darf nicht noch einmal passieren.“

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