Sport : Nicht ohne meinen Verein Neuer Rhythmus

Der Hockey-Bundestrainer hätte gerne ein starkes Berliner Team – aber die Traditionen stehen dem entgegen Wie die Feldhockey-Bundesliga künftig funktioniert

Stefan Hermanns

Berlin. In dieser Woche haben die Berliner Hockeyklubs ihren Wunsch zur Zusammenarbeit dokumentiert, und zumindest im Kleinen ist ihnen das schon gelungen. Zum Beginn der neuen Saison (siehe Kasten) haben die Zweitligisten Berliner HC, Zehlendorfer Wespen, TuS Lichterfelde und der SC Charlottenburg zu einer gemeinsamen Pressekonferenz eingeladen. Für Berlin ist das bereits ein Erfolg. Normalerweise pflegt jeder Klub seine Partikularinteressen, und von einer Bündelung der Kräfte will in der Stadt niemand etwas wissen. In der Hauptstadt gibt es viele gute Hockeyspieler, aber keine gute Hockeymannschaft.

Seit 1965 hat kein Berliner Verein mehr im Endspiel um die deutsche Meisterschaft gestanden. Und doch ist der Leidensdruck offensichtlich noch nicht groß genug. Stefan Zipter, Geschäftsführer des BHC, sieht den fehlenden Kooperationswillen darin begründet, „dass sich jeder Klub aus seiner Sicht berechtigte Hoffnungen macht, oben mitzuspielen“. In wenigstens drei Fällen aber werden sich die berechtigten Hoffnungen nicht realisieren lassen: Nur ein Verein steigt aus der Zweiten Liga Süd auf.

„Ich verstehe die Traditionen der verschiedenen Klubs“, sagt Bundestrainer Bernhard Peters, der vehementer Befürworter einer starken Berliner Hockeymannschaft ist. „Ich hoffe sehr, dass der BHC oder die Wespen den Aufstieg schaffen.“ Das wäre die zweitbeste Lösung. An die beste, einen „Hockey- Club Berlin“ mit den besten Spielern der Stadt, wagt ohnehin niemand mehr zu denken. „Es gibt da sehr viele Ressentiments, die ich nicht kommentieren will“, sagt Peters.

Fünf aktuelle Nationalspieler spielen in der nächsten Saison für die Berliner Klubs in der Zweiten Liga: Max Jesse und Wanja Ammon bei den Wespen, Tibor Weißenborn und Ulrich Bubolz für den BHC und Tobias Hentschel in Charlottenburg. „Die guten Spieler können gerne alle zu mir kommen“, sagt Bernd Rannoch, der die Zehlendorfer Wespen trainiert.

Das werden sie natürlich nicht tun. Und Rannoch hat dafür sogar Verständnis: „Ein Verein lebt doch davon, dass die Spieler ihm treu bleiben.“ Weißenborn zum Beispiel, einer der besten deutschen Hockeyspieler, hängt so am BHC, dass er nicht einmal wechseln würde, „wenn wir in die Regionalliga absteigen“.

Die Berliner Vereine haben sich einen liebenswerten Amateurismus bewahrt. Sie stehen dazu, und sie sind bereit, den Preis dafür zu bezahlen. Rannoch sagt, dass es bei den Wespen eine ganz klare Linie gebe: „Wir werden und wollen kein Geld bezahlen.“ Das mag auch daran liegen, dass die Berliner Hockeyvereine gar nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, mit denen etwa westdeutsche Klubs so manchen Star aus dem Ausland engagieren. Doch gäbe es in Berlin wenigstens einen erfolgreichen Hockeyverein, „wäre der auch für Sponsoren interessanter“, sagt Peters.

Vielleicht regelt sich das Problem, wenn einer der vier Vereine in die eingleisige Bundesliga aufsteigt; vielleicht wäre dieser Verein so etwas wie ein Magnet, der die besten Spieler anzieht. Bei den Damen ist es mit dem BHC, dem einzigen Berliner Erstligisten, schließlich ähnlich, aber „da ist der Abstand zum zweiten Verein viel größer“, sagt Peters. Bei den Männern seien BHC und Wespen fast gleich stark. Weil das so ist, sollen beide Klubs nun einen Zuschuss aus den Spielbankmitteln des Landes erhalten. Eine Empfehlung des Landessportbundes liegt dem Stiftungsrat Deutsche Klassenlotterie vor, der über die Vergabe entscheidet. Eigentlich hätte nur ein Team gefördert werden sollen.

Am Wochenende startet sowohl bei den Damen als auch bei den Herren die eingleisige Feldhockey-Bundesliga. Mit ihrer Einführung will der Deutsche Hockey-Bund nicht nur die Professionalisierung der Sportart vorantreiben, der DHB erhofft sich auch größeren Publikumszuspruch. Bei den Damen gehören zehn Mannschaften, darunter der Berliner HC, der ersten Liga an, bei den Männern sind es zwölf Teams. Bei den Männern konnte sich kein Berliner Klubs für die erste Liga qualifizieren. Der BHC ist im Herbst aus der Bundesliga abgestiegen, die Zehlendorfer Wespen scheiterten in der Relegation. Beide Klubs spielen mit dem SC Charlottenburg und Tus Lichterfelde in der Zweiten Liga Süd. Weil der BSV 92 sein Team zurückgezogen hat, gehören der Gruppe nur neun Mannschaften an, von denen eines aufsteigt. Umgestellt wird auch der Spielrhythmus. Die Saison dauert künftig vom Sommer bis zum Frühjahr. Ausnahme ist die erste Spielzeit. Sie endet erst im Mai 2004. Nach der Hinrunde spielen die ersten vier der Tabelle in einem Herbstfinale auch noch den Deutschen Meister des Jahres 2003 aus. sth

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