Sport : Nicht ohne uns

Die Menschen im Rheinland haben dem Rest der Welt nicht nur eine der ausschweifendsten Arten des Karnevals und absonderliche Formen deutscher Braukunst beschert. Die Rheinländer sind auch die Erfinder des so genannten rheinischen Fatalismus. Seine oberste Regel lautet: Et hätt noch immer jot jejange. Anhänger der deutschen Fußball-Nationalelf kennen dieses Gefühl. Ach, haben wir es doch wieder geschafft. Und wie!

Gegen die Ukraine war es nur für die Zeit bis zum Rückspiel ziemlich knapp. So, wie im November 1989 zum Beispiel, als Thomas Häßler die Deutschen auch erst in fast letzter Minute zur WM geschossen hatte. Acht Monate später waren wir Weltmeister.

Trotz des famosen Spiels von Dortmund verbietet es sich, auf derartige Analogien zu hoffen. Durch den Erfolg gegen die Ukraine wird nicht plötzlich alles gut, was noch vor zwei Monaten erschreckend schlecht gemacht wurde. Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften scheiterten die Deutschen jeweils im Viertelfinale, bei der EM überstanden sie nicht mal die Vorrunde. Eine derartige Häufung spricht nicht gerade dafür, dass es sich nur um Zufälle handelt. Für Jubelarien gibt es also noch keinen Anlass. Wir dürfen zur WM. Ach ja, aber früher war das selbstverständlich.

Manche Leute glauben daher, dass ein echter Schock dem deutschen Fußball mehr geholfen hätte als dieses dauernde Durchwurschteln. Aber das ist hypothetisch. Die EM im vorigen Jahr hätte eigentlich Schock genug sein müssen. Natürlich werden die Probleme auch nach der tollen Nacht von Dortmund nicht verschwinden. Sie sind struktureller Natur, und Völler, der beliebte Teamchef, kann unter diesen Umständen allenfalls ein Verwalter des Mangels sein.

Änderungen brauchen Zeit. Die WM in Asien ist vor allem als Probelauf für die WM im eigenen Land zu betrachten. Wenn das Abenteuer nicht im Fiasko endet wie die EM unter Erich Ribbeck, dann wird das Turnier für die Mannschaft und für einzelne jüngere Spieler eine wertvolle Erfahrung sein. Unter diesem Aspekt waren die Ausscheidungsspiele gegen die Ukraine zu sehen. Und das Team hat diesem Druck standgehalten. Anders als noch gegen England und die Finnen.

Für ein Land, das dreimal den WM-Titel gewonnen hat, mögen das nur kleine Fortschritte sein. Aber zu laute Hoffnungen stören im Moment nur eine zarte Entwicklung zum Besseren. Ein bisschen rheinischer Fatalismus kann da gar nicht schaden. Regel Nummer zwei: Et kütt, wie et kütt. Es kommt ja doch, wie es kommen muss.

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