Sport : Nicht ohne unsere Amateure

Wenn die Bundesliga für das Fernsehen sonntags um 15.30 Uhr spielt, leiden die unterklassigen Klubs

André Görke[Stefan Hermanns],Mathias

Berlin. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) haben vieles gemeinsam – sogar die Postadresse. Beide Verbände sitzen in Frankfurt in der Otto-Fleck-Schneise 6. „Wir arbeiten hier in einem Haus“, sagt Harald Stenger, der Pressesprecher des DFB. „Es gibt einen engen Draht.“ In den vergangenen Tagen konnte man einen anderen Eindruck gewinnen. Da sah es so aus, als habe die DFL den DFB einfach übergangen. Der Ligaverband hatte vorgeschlagen, die beiden Sonntagsspiele der Bundesliga von 17.30 Uhr auf 15.30 Uhr vorzuverlegen, um die Fernsehrechte daran an das ZDF zu verkaufen. Das Problem ist nur: Laut Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL ist das gar nicht möglich. Einen offenen Streit darüber gibt es zwischen den Verbänden trotzdem nicht. „Wer sagt denn, dass wir nicht informiert worden sind?“, sagt Stenger.

Im Grundlagenvertrag heißt es in Paragraph zehn: „Der Ligaverband verpflichtet sich zum Schutz des Amateurfußballs, sonntags bis 17.30 Uhr keine Spiele der Bundesliga anzusetzen und für vorher angesetzte Spiele der 2. Bundesliga keiner Live-Übertragung im Free-TV zuzustimmen.“ Wenn die Bundesligaspiele künftig bereits am früheren Nachmittag angepfiffen werden, könnte das ohnehin nicht allzu große Interesse an den zeitgleich stattfindenden Amateurspielen bis hinunter in die Kreisliga noch einmal deutlich zurückgehen. In gewisser Weise ist damit das Kerngebiet des DFB bedroht, der die Zuständigkeit für den Profifußball an die DFL abgetreten hat. „Wir sind mit der DFL im Gespräch“, sagt Stenger. Im Übrigen habe es von den Amateurklubs bisher „überhaupt keine Reaktion“ gegeben. Vielleicht liegt es daran, dass gerade Sommerpause ist.

„Ein Schlag ins Gesicht“

Begeistert jedenfalls sind die Amateure nicht. „Live-Übertragungen am Sonntagnachmittag wären ein Schlag ins Gesicht“, sagt Rainer Rotter, Präsident des Berliner Oberligisten LFC Victoria 92. „Bei den 17.30-Uhr- Spielen hatten wir den Vorteil, dass die Fans erst bei uns zugeschaut und danach im Casino die Bundesliga geguckt haben. Bei zeitgleichen Spielen wäre die Kneipe jetzt immer voll, und wir müssten auf einem verwaisten Sportplatz antreten.“ Etwa 50 Prozent der Zuschauereinnahmen würden fehlen, langfristig auch Sponsoren, und das „kann irgendwann keiner mehr verkraften“.

Klaus Gallinat, Vorstandsmitglied des Regionalliga-Absteigers SV Babelsberg, sieht das Problem vor allem dann, „wenn Hertha am Sonntagnachmittag im Olympiastadion spielt. Dann müssen wir unser Spiel auf Samstag verlegen, sonst würden uns viele Zuschauer fehlen.“ Auch der Fußball-Landesverband Brandenburg rechnet mit negativen Folgen für die unterklassigen Vereine. Geschäftsführer Rüdiger Lorenz erwartet deutlich weniger Zuschauer und damit spürbare finanzielle Einbußen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass frühere Anstoßzeiten für die Bundesliga beschlossen werden“, sagt Lorenz. Er hofft auf Widerstand des DFB und plädiert dafür, die Bundesligaspiele vom Sonntag auf den Freitagabend zu legen.

Freitag ist wie Samstag

Das wäre auch vielen Bundesligaklubs am liebsten, aber weil der Europäische Fußballverband Uefa am Donnerstag als Spieltag für den Uefa-Cup festhält, sind solche Pläne wohl nicht zu verwirklichen. Der Freitag wäre auch deshalb interessant, weil die Zuschauerzahlen in der Regel genauso hoch sind wie am Samstag – ganz anders bei den Spielen am Sonntagnachmittag. Vereine, deren Fans aus ganz Deutschland kommen, spüren das deutlich. Borussia Mönchengladbach zum Beispiel hat festgestellt, dass bei manchen Spielen am Sonntag bis zu 5000 Zuschauern weniger kommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar