Sport : Nicht schön war die Zeit

Ailton hat mit Schalke 04 abgeschlossen, er ist mit den Gedanken schon bei Besiktas Istanbul – und diesmal geht der Bundesliga-Klub gern auf das Angebot des türkischen Erstligisten ein

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Zum Abschied wünschte er noch „viel Glück für die Champions League“. Ailton und der FC Schalke 04 – die Trennung ist nun wohl beschlossene Sache. Besiktas Istanbul will den Brasilianer verpflichten, und Schalke geht offenbar diesmal auf das Angebot der Türken ein. „Noch ist nichts unterschrieben, aber wir rechnen damit, dass der Transfer am Mittwoch oder am Donnerstag über die Bühne geht“, sagt Schalkes Sportdirektor Andreas Müller. „Die Vereine sind untereinander klar, und Toni ist mit seinen Gedanken schon in Istanbul.“

Mit seinen Gedanken in Schalke ist Ailton wohl nie so recht gewesen. Er hatte sich in Gelsenkirchen bei weitem nicht so heimisch gefühlt wie zuvor in Bremen, wo er als Deutscher Meister und Pokalsieger sowie als Torschützenkönig der Bundesliga sein erfolgreichstes Profijahr in Deutschland erlebte. Er müsse an seine Zukunft denken, sagt Ailton jetzt. Der sich abzeichnende Wechsel sei für alle Seiten „ein gutes Geschäft“. Nach Medienberichten im Ruhrgebiet bietet Besiktas ihm für die nächsten zwei Spielzeiten ein steuerfreies Jahresgehalt von rund einer Million Euro und dazu eine Einmalzahlung in Höhe von 830 000 Euro als „Handgeld“. Ailton sagte, er müsse sich noch mit seiner Frau Rosalie beraten.

Die Ablösesumme dürfte bei etwa drei Millionen Euro liegen. Vorstandskreise des Revierklubs hatten schon länger verlauten lassen, einem Wechsel zuzustimmen, wenn Ailton „keine Lust mehr“ habe und ein Verein drei Millionen Euro zu zahlen bereit sei.

Für „ein schönes Jahr“ bedankte sich der Stürmer, der gerade seinen 32. Geburtstag feierte, in seiner Abschiedsrede an die Mannschaft. Die Zeit war aber nicht schön genug. Sie fing gleich mit einem Fauxpas Ailtons an, als er sich öffentlich über den geringen Freizeitwert des Reviers beschwerte. Seine laxe Einstellung im Training oder beim Aufwärmen wurde in den späteren Monaten mehrfach kritisiert.

Nun hat er sich im Trainingslager von seinen Mannschaftskameraden verabschiedet. Dann gingen beide Seiten getrennte Wege. Die Schalker reisten vom Trainingslager im österreichischen Ort Bad Radkersburg nach Baden-Württemberg, wo der Revierklub an diesem Mittwoch ein Testspiel gegen die Stuttgarter Kickers austrägt. Ailton flog von Graz aus nach Düsseldorf; auch er hat an diesem Mittwoch einen wichtigen Termin: Ailton stellt sich der sportärztlichen Untersuchung. Besteht der Stürmer den Gesundheitstest, dürfte dem geplanten Wechsel nichts mehr im Wege stehen.

Ein erstes Angebot der Türken hatte Schalke abgelehnt. Doch Besiktas legte nach. Da konnten die Westfalen nicht mehr widerstehen. „Die erste Offerte von Besiktas war indiskutabel. Für uns stellte sich die Frage: Welchen Wert hat der Spieler?“, sagt Cheftrainer Ralf Rangnick. Nach Rücksprache mit Finanzvorstand Josef Schnusenberg und Manager Rudi Assauer, der Urlaub auf Mallorca macht, war die Antwort klar. „Bei dieser Summe können wir nicht nein sagen“, sagte Rangnick. „Wenn solch ein Betrag aufgerufen wird, muß man abwägen, wie alt der Spieler ist und wie lange sein Vertrag noch läuft. Es ist doch klar, dass wir nächstes Jahr keinen Cent mehr für Ailton bekommen hätten.“

Ailton hat mit Schalke längst abgeschlossen, und der Verein sucht einen Nachfolger. „Unsere Transferaktivität ist nicht beendet, wir haben noch etwas vor“, sagt Assauer. Die Schalker wollen den dänischen Nationalspieler Sören Larsen verpflichten, der in elf Länderspielen zehn Tore erzielt hat. Sein schwedischer Arbeitgeber Djurgarden Stockholm widersetzt sich noch. Die Ablöse für den 23 Jahre alten Stürmer ist auf 1,2 Millionen Euro festgeschrieben – nach dieser Saison. Doch wann endet die Spielzeit: am 30. Juni, wie vom Weltverband Fifa vorgegeben, oder erst am 30. Oktober nach dem Abschluss der schwedischen Meisterschaft? „Wir bemühen uns, den Transfer zügig abzuwickeln, aber unser Standpunkt hat sich nicht geändert, wir werden nichts drauflegen“, sagt Teamchef Müller, die bisher geforderte Transfersumme sei unrealistisch, auch wenn der Spielraum größer geworden sei. Rangnick indes stellt klar, dass Schalke „nicht mit drei Stürmern in die Saison gehen“ könne. „Die Ablöse für Ailton muss sofort wieder investiert werden.“

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