Sport : Nicht sein Limit

Michael Schumacher muss zusehen, wie BMW derzeit die Formel 1 dominiert – auch beim Qualifying in Magny-Cours

Karin Sturm

Magny-Cours. Es gab Zeiten in der Formel 1, da war das Qualifikationstraining oft spannender als der Grand Prix am Tag danach. Doch in den neun Rennen in dieser Saison ist das bisher anders gewesen. Durch die neuen Bestimmungen, dass mit der Benzinmenge das Qualifying gefahren werden muss, die auch beim Rennstart im Tank ist, ist es damit vorbei. Wo bis 2002 zwölf Runden erlaubt waren und oft erst in den letzten zwei Minuten über die Poleposition entschieden wurde, stellt das heutige Einzelzeitfahren mit nur einer erlaubten Runde ganz andere Anforderungen. In Magny-Cours meisterte sie Ralf Schumacher bereits zum dritten Mal in diesem Jahr am besten. Mit ihm und Juan Pablo Montoya, die heute beim Grand Prix von Frankreich in der ersten Startreihe stehen werden, beherrscht BMW-Williams im Moment die Formel 1. Weltmeister Michael Schumacher startet aus Reihe zwei.

Die eine Qualifikationsrunde, in der alles passen muss, sie ist ein Spiel mit dem Gefühl, mit Wissen und Daten. „Man kann schon vorher recht gut abschätzen, was die Strecke hergibt, was möglich ist. Allerdings muss man aufpassen, dass man in der Aufwärmrunde nicht zu schnell ist, um die Reifen nicht zu stark zu beanspruchen“, sagt Sauber-Pilot Heinz-Harald Frentzen, der in Frankreich auf Rang 16 landete. Und wieviel Prozent des theoretisch Möglichen riskiert man dann, wenn es drauf ankommt? „Das ist immer ein Kampf mit sich selbst, ob man das letzte Prozent noch riskiert oder nicht. Man probiert ein gewisses Niveau, nach fünf Kurven sagt man sich dann entweder, es war okay, oder es geht vielleicht noch etwas mehr. Wir haben im Cockpit eine Uhr mitlaufen, auf der ich sehen kann, wo ich im Vergleich zu meiner bisher schnellsten Runde an diesem Wochenende stehe. Man ist da immer, in jeder Kurve, an der Schwelle, drüber zu gehen oder drunter zu bleiben.“

Die mitlaufende Uhr im Cockpit zu verfolgen, dafür haben die Fahrer trotz der Konzentration noch Zeit, wie auch Olivier Panis bestätigt: „Das geht schon, das immer im Blick zu behalten. Selbst in Monaco, wo man ja vor lauter Kurven wirklich keine Sekunde verschnaufen kann.“ Noch in der vergangenen Saison war es möglich, sich an das Limit heranzutasten, beim ersten Versuch vielleicht nur 98 Prozent zu riskieren. Doch vier Versuche mit jeweils einer schnellen Runde gibt es eben nicht mehr. In der nur noch einen Runde gilt es nun sofort, dem Grenzbereich nahe zu kommen. Schnelle Zeit oder Abflug ins Kiesbett, diese Alternativen gibt es. Sogar die Haftung der Reifen ist für den Fahrer in der ersten Kurve nicht genau abzuschätzen: „In dieser einen Runde spielt sich im Kopf unheimlich viel ab. Man kann so viel falsch machen, entweder zu optimistisch oder zu vorsichtig sein“, sagt Frentzen.

Vieles davon ist Erfahrung, deshalb machen gerade die jungen Fahrer bei dieser Form des Qualifyings öfter einmal einen Fehler. Kimi Räikkönen war im McLaren-Mercedes in Kanada, als er seine Runde schon in der ersten Kurve buchstäblich in den Sand setzte, am Kurveneingang 15 km/h schneller als je zuvor, wie sein Teamchef Ron Dennis ausplauderte. „Das konnte natürlich nicht gehen." Am Nürburgring und nun in Magny- Cours schien es so, als habe der Finne aus seinem Fehler gelernt. Der vierte Startplatz in Magny Cours, knapp hinter Michael Schumacher im Ferrari, ist keine schlechte Ausgangsposition für den WM-Titelkampf.

Warum aber ein Routinier wie David Coulthard mit dieser neuen Form des Zeittrainings nicht zurecht kommt, gibt Rätsel auf. Coulthard selbst weiß es nicht, und seine Kollegen können nur vermuten, „dass sich bei ihm im Kopf eine Blockade aufgebaut hat, weil es mehrmals nicht geklappt hat“. Toyota-Pilot Olivier Panis, der den Schotten aus seiner Zeit als McLaren-Mercedes-Testfahrer sehr gut kennt, glaubt das jedenfalls. „Ich bin sicher, David müsste nur einmal eine wirklich gute Qualifying-Runde gelingen, dann könnte er das auf einen Schlag wieder loswerden."

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