Sport : Nicht spektakulär, dafür fast fehlerfrei

Sieg des Außenseiters: Statt Tiger Woods oder Rory Sabbarini gewinnt Zach Johnson das US Masters

Petra Himmel[Augusta]

Zach Johnson ist durch die harte Schule gegangen. Der Mann aus Iowa hat seine Profikarriere 1998 auf der Dakota- und der Prairie-Tour im mittleren Westen begonnen, Montags-Qualifikationen gespielt und schon die erste Stufe der US-Qualifying-School verpatzt. Sein kurzes Spiel war sehr gut, aber der Drive, der lange Schlag, zu schwach. All dieser Vorzeichen zum Trotz ist Zach Johnson Golfprofi geblieben – seine Hartnäckigkeit wurde am Sonntag mit dem Sieg beim US Masters mit 289 Schlägen belohnt.

Nur ein Kämpfer konnte am Ende dieses Masters 2007 überstehen, das neben der Veranstaltung des Jahres 1956 als schwierigstes Masters aller Zeiten in die Golfgeschichte eingehen wird. Böiger Wind und bittere Kälte ließen am Samstag die Finger starr werden. Dementsprechend kletterten die Ergebnisse in die Höhe, allein Retief Goosen gelang mit 70 Schlägen eine Runde unter Par. Der Durchschnittsscore erreichte mit knapp über 76 Schlägen neue Höhen. Am Ende ging es am Samstag bei jenen, die den Cut nach zwei Runden von acht über Par hinter sich gebracht hatten, nur um Schadensbegrenzung. Dem Australier Stuart Appleby mit zwei über Par , Tiger Woods und Justin Rose aus den USA bei drei über Par nach drei Runden, gelang das vergleichsweise gut. Zach Johnson fand sich am Samstagabend nur einen Schlag dahinter auf dem geteilten vierten Platz. Doch unter den 15 Spielern, die vor der Schlussrunde nur vier Schläge auseinander lagen, war der 31-Jährige keiner der Favoriten. Ein Turnier der US-PGA-Tour hatte Johnson bisher gewonnen, jener blässliche, dünne Typ, der nicht auffällt durch viel Emotionalität oder Ausstrahlung.

Am Sonntag aber überstand er ein hektisches Auf und Ab: Wie selten zuvor in den vergangenen zehn Jahren wechselten sich die Führenden auf der Ergebnistafel ab. Stuart Appleby, Retief Goosen, Rory Sabbatini und Tiger Woods standen zwischenzeitlich ganz oben. Während Appleby schon früh am Druck der hohen Erwartungen zerbrach, der erste australische Major-Sieger zu werden, verlor der Südafrikaner Sabbatini seine Führung vom 13. Loch nach einem Bogey sofort wieder. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Johnson bereits seit geraumer Zeit unter den besten drei. Nach einem Bogey am ersten Loch legte er zwei Birdies nach und spielte von da an eher unauffällig sein Spiel. Goosen und Woods waren stattdessen die Namen, die ins Zentrum des Interesses rückten. Goosen, der schon US-Open-Gewinner 2004 bei ähnlich katastrophalen Wetterbedingungen geworden war, schien mit konstanten Drives und erstklassig verwandelten Putts wie gemacht zu sein für den Sieg. Seine Aufholjagd nahm jedoch bei drei über Par ein Ende. Den zweiten Rang sollte er sich am Ende mit Sabbatini und Woods teilen. Der Weltranglistenerste Woods konnte am 18. Loch seine Enttäuschung nicht verbergen. „Ich habe den Sieg am Freitag und Samstag mit vier Bogeys an den Löchern 17 und 18 vergeigt“, bilanzierte der viermalige Masters-Champion. Zwölf Löcher lang spielte Woods nicht gut. Erst am 13. Loch, einem Par 5, kam nach einem Eagle noch einmal die Ahnung auf, Woods könnte seinen 13. Majorsieg holen.

Auf Fehler von Johnson konnte Woods nicht hoffen. „Der haut den Ball konstant und gerade, der puttet gut und hat außerdem noch einen niedrigen Ballflug, was bei windigem Wetter hilft“, erklärte Goosen den Spieltyp Johnson. Für die Finalrunde von Augusta war das ideal. Der „Mid-West-Kerl aus Iowa“, wie Johnson sich selbst nannte, kam nicht mit spektakulärem, sondern mit fast fehlerfreiem Spiel zum Sieg. „Ich habe mich die ganze Zeit an meinen Spielplan gehalten. Ich habe vier Tage lang kein einziges Par-5-Loch mit dem zweiten Schlag attackiert und deshalb einige Birdies gespielt.“ Die Fairways traf der 31-Jährige in über 80 Prozent der Fälle, auf den extrem glitschigen Grüns kam er bestens zurecht. Der neue Masters-Champion war selbst von seinem Majorsieg gänzlich überrascht. „Das ist ja wirklich surreal“, flüsterte er bei der Übergabe des „Grünen Jacketts“, das er traditionell vom Champion des Vorjahres, Phil Mickelson, übergestreift bekam.

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