Sport : Nicht spielen! Nicht spielen!

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Die Spieler bewegten sich keinen Zentimeter, das Publikum jubelte. Die Fußballer des spanischen Drittligisten Racing Santander hatten sich direkt nach dem Anpfiff in eine Reihe gestellt und die Arme um die Schultern ihres Nebenmanns gelegt. Nach nicht einmal zwei Minuten brach der Schiedsrichter das Viertelfinal-Rückspiel im spanischen Pokal gegen San Sebastian ab, Santanders Spieler hatten verloren – und doch gewonnen. Denn ihr Protest war die einzige Möglichkeit, auf ihre fatalen Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen.

Ein indischer Geschäftsmann hatte den klammen Verein vor drei Jahren retten wollen, blieb aber alle Zahlungen schuldig. Nicht einmal die Besitzverhältnisse des Klubs sind derzeit geklärt, seit Monaten warten die Fußballer auf ihr Gehalt. Trotzdem hatten sie auf dem Platz zuletzt geglänzt und die Erstligisten FC Sevilla und UD Almeria aus dem Pokal geworfen. Nach Almeria waren sie sogar quer durch Spanien mit dem Bus gefahren, weil der Verein einen Flug nicht bezahlen wollte. Jetzt reichte es ihnen, sie verzichteten auf die Chance auf ein Halbfinale gegen den FC Barcelona. „Wir können nicht zulassen, dass man unsere Rechte mit Füßen tritt“, sagte Stürmer Mariano Sanz. Bemerkenswert war, wie viel Unterstützung die Spieler erhielten: von der Presse, Santanders Bürgermeister, dem Regierungschef der Region Kantabrien. Und von den eigenen Fans, die vor dem Anpfiff skandierten: „Nicht spielen! Nicht spielen!“

Der Eklat von Santander ist der erste prominente Protest gegen die Misswirtschaft im spanischen Fußball, die die Existenz vieler ehemals prominenter Klubs bedroht. Der Boykott könnte eine Warnung für alle sein, die mit Vereinen und Spielern spekulieren wollen. Und die gerne glauben, dass im Fußball alles erlaubt ist, solange die Ergebnisse stimmen und das Fernsehen überträgt.

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