Sport : Nicht weit vom Stamm Im deutschen Kader gibt es einige Härtefälle

Stefan Hermanns[Ascona]

Heute, kurz nach halb eins, wird auch Arne Friedrich seinen ersten großen Auftritt bei der EM bekommen. Zur Belohnung für seine guten Leistungen im Training darf Friedrich heute kurz vor dem Abflug zum Spiel gegen Kroatien die Mannschaft bei der täglichen Pressekonferenz vertreten – viel mehr scheint nicht drin zu sein, obwohl der Bundestrainer Joachim Löw „Arne selten zuvor gesehen so stark“ gesehen hat.

Friedrich ist nicht der einzige Härtefall in Löws Kader. Schon nach einer Partie könnte der Bundestrainer seine Idealformation für die Europameisterschaft gefunden haben. Viele Wechsel werde es nach dem überzeugenden Auftritt gegen Polen nicht geben, hat Löw angekündigt. Im Grunde lässt sich die Frage gar nicht seriös beantworten, wer derzeit der größte Härtefall im deutschen Kader ist. Der ewige Stammspieler Bastian Schweinsteiger, der jetzt im Mittelfeld für links- und rechtstauglich befunden wird und sich auf beiden Seiten einstweilen hinter noch stärkerer Konkurrenz anstellen muss? Tim Borowski, der seinen Platz als Nummer 11b im Kader an Thomas Hitzlsperger verloren zu haben scheint? Hitzlsperger selbst, der nach den öffentlichen Lobhudeleien des Bundestrainers längst hoffen durfte, mehr als die Nummer 11b zu sein? Oder doch Friedrich? Es ist schwer vorstellbar, dass der Berliner im Moment der schlechtere Innenverteidiger wäre als Christoph Metzelder – doch Metzelder spielt, weil er nach seiner Verletzungspause spielen muss, damit er irgendwann einmal wieder so spielen kann, wie Friedrich schon jetzt spielen könnte. „Wenn was passiert, weiß ich, dass wir eine glänzende Alternative haben“, sagt Löw.

Vielleicht ist es ein Trost für die Zurückgesetzten, dass die Mannschaft, die zu Beginn eines Turniers spielt, selten die Mannschaft ist, die auch noch am Ende aufläuft. Als Deutschland 1954 und 1974 Weltmeister wurde, stand im vorletzten Spiel zum ersten Mal die Mannschaft auf dem Feld, die am Ende auch das Finale bestritt, und 1990 hatte die Endspielformation der Deutschen während des Turniers noch kein einziges Mal zusammengespielt.

Große Ausnahme war die WM vor zwei Jahren, als die Deutschen mit elf Spielern plus Borowski durch das gesamte Turnier kamen. Die Qualität im Kader hat seitdem zugenommen, die Leistungsdichte ist wesentlich höher. Deshalb wird eine Entscheidung für Löw nicht einfach. Schweinsteiger erlebt der Bundestrainer in diesen Tagen engagiert, beweglich und aktiv: „Ihm gelingen die Aktionen wieder.“ Vielleicht gibt es bald doch einen Grund, die Mannschaft zu ändern.

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