Sport : Nicht weiter, sondern runter

Bremen steigt nach 0:3 in Piräus in Uefa-Cup ab

Frank Hellmann[Piräus]

Piräus, das Tor im Mittelmeer zu mehr als 2000 griechischen Inseln, war für Werder Bremen nicht das Tor ins Achtelfinale der Champions League. Nach einer 0:3 (0:1)-Niederlage gegen Olympiakos Piräus verfehlte der Bundesligist die Runde der besten 16 Mannschaften. Die Griechen nutzten hingegen entschlossen eine historische Chance. Werder darf als Gruppendritter im neuen Jahr immerhin im Uefa-Cup weiterspielen, da Real Madrid mit dem 3:1-Sieg gegen Lazio Rom die nötige Hilfe leistete.

Die Bremer, ohne den grippegeschwächten Per Mertesacker, aber mit dem genesenen Rechtsverteidiger Clemens Fritz in der Startelf, hatten sich den Rückschlag selbst zuzuschreiben. Bereits nach zwölf Minuten durchkreuzte ein wuchtiger 22-Meter-Schuss von Ieroklis Stoltidis alle Ambitionen. Die Diskussion ist müßig, ob Fritz oder Diego den Schützen hätten blocken müssen; entscheidend war, dass die Führung den Griechen vortrefflich in die Karten spielte. Denn obwohl Werder 62 Prozent Ballbesitz verbuchte und Nationaltorwart Antonios Nikopolidis Fernschüsse von Diego und Tim Borowski nicht festhalten konnte, war die Pausenführung des Gastgebers nicht unverdient.

Olympiakos stellte das leidenschaftlichere und lustvoller kämpfende Team, was vor allem dem Bremer Mittelfeld und allen voran Diego nicht behagte. Der Brasilianer sah sich meist von einer griechischen Übermacht umzingelt und kam kaum ins Spiel. Weil auch Vranjes (viel zu unpräzise) und Borowski (viel zu unstet) keine wirkliche Hilfe darstellten, beklagten in vorderster Linie die Stürmer Sanogo und Markus Rosenberg einen akuten Versorgungsnotstand. Werder fehlten elementare Tugenden, um den erforderlichen Erfolg einzufordern.

Daran änderte auch nichts, dass nach der Pause Kopfbälle von Naldo und Sanogo erst im letzten Moment auf der Linie abgewehrt wurden. Zu ideen- und zu hilflos trug Werder die Angriffe vor. Wie es besser gemacht wird, demonstrierte Piräus: Stoltidis, der Schütze des 1:0, flankte scharf, Darko Kovacevic köpfte vor Naldo zum 2:0 ein. Und Stoltidis bestrafte die tatenlose Werder-Defensive vier Minuten später sogar noch mit dem 3:0.

Werder hat damit zum zweiten Male das Achtelfinale verpasst. Das Scheitern passt nicht zum aktuellen Selbstverständnis, zumal die Bremer diesmal nicht darauf verweisen können, eine beinahe unlösbare Gruppe wie im vergangenen Jahr mit Chelsea und Barcelona erwischt zu haben. Unter dem Strich steht: Wer gegen wie Piräus und Lazio Rom nicht weiterkommt, war kein guter Repräsentant der Bundesliga. Überdies geht Werder eine Garantiesumme von fünf Millionen Euro durch die Lappen.

Zwar lässt sich auch im Uefa-Cup „gutes Geld verdienen“, wie Sportchef Klaus Allofs versichert, doch damit machte der Klub schon in der vorigen Saison nicht so gute Erfahrungen. „Der Uefa-Cup hat uns die Meisterschaft gekostet“, hat Per Mertesacker vor kurzem gesagt, der Donnerstag-Sonntag-Rhythmus sei im Meisterschaftskampf höchst störend. Vorerst muss der Verein aufpassen, dass der Patzer von Piräus keinen nachhaltigen Schaden anrichtet: Am Samstag kommt Bayer Leverkusen zum Verfolgerduell ins Weserstadion. Und mit der dritten Niederlage innerhalb von acht Tagen ginge ganz auch Platz zwei in der Liga verloren.

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