Sport : Nicht wetterfest

Die German Open leiden in diesem Jahr besonders unter dem Regen – nun wird über ein Dach diskutiert

Frank Bachner

Berlin - Justine Henin führte gerade 4:1 im zweiten Satz, als die Warnung kam. Mit blecherner Stimme verkündete der Stadionsprecher, dass das Steffi-Graf-Stadion wegen einer Sturmwarnung wahrscheinlich in Kürze geschlossen werden muss. Die Zuschauer sollten sich darauf einrichten, Ende der Durchsage. Es war 12.57 Uhr, die Sonne schien, und die Nummer mit dem geschlossenen Stadion kannten die Zuschauer schon. Sie hatten schon gegen 11 Uhr fluchtartig verschwinden müssen. Da stand es 6:1, 3:1 im Spiel der Weltranglistenersten Henin aus Belgien gegen die Italienerin Maria Elena Camerin. Regen prasselte, Windböen jagten über das Tennisgelände des LTTC Rot-Weiß, das Zeltdorf auf der Anlage wurde geschlossen, nichts ging mehr bei den German Open. Das größte Frauen-Tennisturnier Deutschlands hatte Zwangspause.

Immerhin: Der Sturm blieb aus, und Regen kam erst um 19 Uhr. Wieder eine Spielunterbrechung, erst danach stand der Viertelfinalsieg (6:3, 5:7, 6:3) von Julia Vakulenko (Ukraine) gegen Dinara Safina (Russland) fest. Das Viertelfinalspiel Henin gegen Jelena Jankovic (Serbien) wurde gestern Abend beim Stand von 3:6 und 4:4 abgebrochen und wird heute um 11 Uhr fortgesetzt. Henin, die Weltranglistenerste war leicht angeschlagen und Jankovic – Nummer 7 in der Welt – nutzte die Schwächen der Belgierin konsequent aus. Zuvor hatte die Russin Swetlana Kusnetsowa im Viertelfinale ihre Landsfrau und die Titelverteidigerin Nadia Petrowa 7:6, 6:4 besiegt. Die Serbin Ana Ivanovic zog durch einen 7:5, 3:6, 6:4-Sieg gegen Patty Schnyder (Schweiz) ins Halbfinale ein. Die Halbfinals beginnen heute um 13 Uhr.

Der Regen, kein anderes Thema beherrscht das Turnier wie das Wetter. Vier Doppel müssen wegen der Wassermassen heute nachgeholt werden, Dabei betrachtet Turnierdirektor Ayman Azmy den Zeitplan nicht mal als größtes Problem. Notfalls finden die Einzel- und Doppelfinals halt am Montag statt. Dass, wie 1998 in Birmingham, das Finale wegen Regens ganz ausfällt, damit rechnet er im Moment jedenfalls noch nicht. Der Turnierdirektor aus Katar ist vor allem frustriert, „weil wir den Zuschauern nicht durchgehend tolles Tennis zeigen können“. Das nervt ihn mehr als „der finanzielle Verlust“. Der hält sich durch eine Versicherung sowieso in Grenzen. Gerade mal 3500 Zuschauer kamen gestern, 27 000 tauchten bis jetzt insgesamt auf, erheblich weniger als zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres. Genervt sind natürlich auch die Spielerinnen. Die Französin Amelie Mauresmo etwa schimpfte über den Regen, weil sie unbedingt Spielpraxis für die French Open in zwei Wochen benötige. Gestern wurde sie allerdings nicht vom Regen, sondern von Julia Vakulenko gestoppt. Die Ukrainerin besiegte Mauresmo 2:6, 6:1, 6:2.

Am einfachsten wäre es natürlich, zumindest das Stadion zu überdachen. „Aber das wird sehr schwierig“, sagt Ayman Azmy. Das Stadion in Berlin sei nicht so konstruiert, dass problemlos ein Dach gebaut werden könne. Turnierdirektor Azmy favorisiert eher eine Lösung, mit der der Platz gut abgedeckt werden kann.

Im Übrigen, diese Witterungsprobleme sind ihm ja nicht ganz unbekannt. Im Jahr 2000, beim Männer-Tennisturnier in Katars Hauptstadt Doha, fanden Halbfinals und Endspiele an einem Tag statt, zwangsweise. Es hatte einfach zu stark geregnet.

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