Sport : Nicht zum Lachen

Deutschlands Handballer von der EM-Form noch weit entfernt

Klaus Rocca

Hannover. Es sah alles so harmonisch und familiär aus. Wladimir Maximow, seit Jahrzehnten Trainer der russischen Handballer, gab lustige Anekdoten zum Besten, der auch in Deutschland jahrelang aktive, vielleicht beste Torwart der Welt, Andrej Lawrow, 41, übersetzte ins Deutsche. Heiner Brand, der Bundestrainer, fand alles sehr lustig, strich sich immer wieder lachend über den Schnauzbart. Und doch – man spürte, dass Brand so sehr nach Lachen eigentlich nicht zu Mute war. Dieser Abend in der fast ausverkauften Preussag-Arena in Hannover hat die Skepsis verstärkt, ob Deutschlands Handballer wenige Tage vor der Europameisterschaft in Slowenien auf dem richtigen Weg sind.

Gegen den Olympiasieger Russland 25:27 zu verlieren, ist keine Schande. Doch schon beim Turnier in Tschechow bei Moskau, als die Deutschen nur Vorletzte im Sechserfeld (vor den Russen) wurden, gab es kritische Stimmen. Einige seiner Spieler seien müde, gab Brand als Erklärung oder Entschuldigung an. Am späten Freitagabend in Hannover mussten diese Worte wieder herhalten, doch Brand sagte auch unverblümt: „Wir sind im Augenblick nicht da, wo einige uns sehen wollen. Aber wir dürfen nicht in Panik verfallen.“

In Tschechow war das Fehlen von Stefan Kretzschmar, Markus Baur und Volker Zerbe noch als zu großes Handikap angesehen worden. Kretzschmar hat nach seiner Leistenoperation gestern endgültig für Slowenien abgesagt, Mannschaftskapitän Baur bot in Hannover eine solide Partie, der 2,11-m-Mann Zerbe wirkte eher wie ein Fremdkörper. „Ich bin mit mir nicht zufrieden, aber wir müssen uns alle noch erheblich steigern“, sagte Zerbe selbstkritisch.

Dass Brand auch am Freitag wieder experimentierte, war richtig. Im Falle der Linksaußen-Position war er wegen des Ausfalls von Kretzschmar dazu gezwungen. Die Lücke können Heiko Grimm und Torsten Jansen bei allem Eifer nicht annähernd ausfüllen. Klar wurde dem Bundestrainer auch, sofern er es noch nicht gewusst haben sollte, dass Carsten Lichtlein hinter Henning Fritz und Christian Ramota nur die Nummer 3 im Tor ist. Als es beim 5:11 höchst blamabel zu werden drohte, holte Brand den jungen Großwallstädter schnell vom Feld und stellte Fritz zwischen die Pfosten. Der Kieler gab so viel Rückhalt, dass zwischenzeitlich sogar eine Zwei-Tore-Führung heraussprang. Wenigstens da kam in der Arena die richtige Stimmung auf, vom marktschreierischen Hallensprecher noch forciert.

Vielleicht klappt es heute beim letzten EM-Test in Dortmund gegen denselben Gegner besser. „Wir müssen uns eine günstige psychologische Ausgangsposition für Slowenien verschaffen“, sagt Brand fast beschwörend. Andere sehen das gelassener. So Kreisläufer Christian Schwarzer, in Hannover mit seinen fünf Toren erfolgreichster deutscher Werfer. „Derartige Testspiele nehme ich nicht mehr so ernst. Wir haben früher oft Top-Testspiele geliefert – und dann bei den großen Turnieren versagt“, erinnert sich Schwarzer. Für Baur könnten die letzten Misserfolge sogar ein „gutes Omen sein“. Vor der letzten EM 2002 habe es auch schlechte Testspiele gegeben, und dann wurde Deutschland Vize-Europameister. So kann man sich auch Mut machen.

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