Sport : Nichts für Hollywood

Warum Klinsmann nicht Trainer des US-Teams wird

Matthias B. Krause[New York]

Es deutete alles auf eine Hollywood- Traumehe hin: Der blonde Deutsche, der an den kalifornischen Stränden sein Lebensglück gefunden hat, führt seine Wahlheimat zu den Gipfeln des internationalen Fußballs. So hatten sich das viele Soccer-Fans in den USA seit Monaten ausgemalt, unter ihnen auch der Präsident der US Soccer Federation (USSF), Sunil Gulati. Am Donnerstag kam dann die kalte Dusche in Form einer schlichten Erklärung, die Jürgen Klinsmann an die Nachrichtenagentur Associated Press schickte: „Sunil und ich haben unsere Diskussionen über das Programm des US-Männer-Nationalteams abgeschlossen, und ich habe meinen Namen von der Liste der Kandidaten zurückgezogen“, heißt es dort. Und weiter: „Ich werde nicht in die Details unserer Unterredungen gehen, aber ich möchte dem nächsten Coach des US-Nationalteams viel Erfolg wünschen, und ich möchte auch Sunil für die Gelegenheit danken, Ideen auszutauschen.“

Aus der Traum. Und – wie bei allen guten Hollywood-Dramen – beginnen nun die Spekulationen. War’s das Geld, an dem es scheiterte? War’s die Macht, die Gulati nicht abgeben wollte? Klinsmann hatte praktisch seit seinem Rückzug aus der deutschen Nationalmannschaft nach der WM als Favorit für den Posten beim Team USA gegolten. Der war vakant geworden, nachdem die USSF den Vertrag von Amtsinhaber Bruce Arena nach siebeneinhalb Jahren nicht mehr verlängern mochte. Das Ausscheiden in der Vorrundengruppe war in der Heimat, wo Erwartung und Realität oft erstaunlich weit auseinanderklaffen, mit großer Ernüchterung aufgenommen worden. Und nun wollten sie alle Hoffnungen an Klinsmann als den großen Retter hängen.

Der Deutsche schien der ideale Kandidat zu sein. „Jürgen Klinsmann war unsere erste Wahl“, bestätigte Gulati. Der Deutsche spricht perfekt Englisch, Spanisch ist in Ansätzen vorhanden – alles Voraussetzungen, die andere internationale Kandidaten vermissen ließen. Außer Klinsmann waren die früheren Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson (England) und Jose Pekerman (Argentinien) im Gespräch sowie Gérard Houllier von Olympique Lyon. Klinsmanns Wohnort Newport Beach in Los Angels liegt in bequemer Distanz zu einer der wichtigsten Trainingsstätten des US-Nationalteams in Carson.

Englische Medien hatten während der Verhandlungen, die sich über zwei Monate hinzogen, kolportiert, Klinsmann wolle mehr als die zwei Millionen Dollar Gehalt, die der US-Verband ihm zu zahlen bereit war. Dieser Darstellung widerspricht jedoch ein Insider der Föderation. Die „New York Times“ zitiert in ihrer Freitagausgabe die anonyme Quelle mit den Worten: „Finanziell hatten sie sich praktisch per Handschlag geeinigt. Es ging am Ende um die Frage von Autorität und Kontrolle.“ Auf dem Gebiet verlangte der als Perfektionist bekannte Klinsmann, der alle Bereiche seines Jobs bis ins Kleinste kontrollieren will, offenbar mehr, als der Wirtschaftsprofessor Gulati ihm zu geben bereit war. „Alles, was in den Medien zu lesen oder zu hören war, ist Unsinn“, sagte Gulati. Er respektiere Klinsmanns Wunsch, nicht über Details zu reden.

Statt Klinsmann übernimmt nun Bob Bradley das Nationalteam, das seit fünf Monaten führungslos ist und am 20. Januar gegen Dänemark das erste Spiel nach der WM bestreitet. Bradley, 48, ist ein Eigengewächs der amerikanischen Profiliga MLS und coacht derzeit das südkalifornische Team Chivas USA, das er innerhalb eines Jahres vom Tabellenletzten zum Playoff-Teilnehmer machte. Er gilt als ausgezeichneter Talent-Scout und ist, an Siegen gemessen, der erfolgreichste Trainer der MLS. 1998 gewann er den Titel mit Chicago. Ihm fehlt aber internationale Erfahrung, deshalb erhält er den Zuschlag zunächst nur bis zum nächsten Sommer. Bewährt er sich in der neuen Rolle, wird Gulati ihm einen umfassenden Vertrag anbieten. Sonst geht die Suche von vorne los, und dann könnte sogar Klinsmann wieder ins Spiel kommen. „Vielleicht werden wir noch einmal zusammenarbeiten“, sagte Sunil Gulati.

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