Sport : Nichts gelernt

Der unter Doping-Verdacht stehende Dario Frigo ist wieder frei – Team- und Tourleitung distanzieren sich

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Berlin/DigneLes-Bains - Jean-Marie Leblanc, der Direktor der Tour de France, ist natürlich empört. „Er stammt aus einer Generation, die nichts gelernt hat. Solche Fahrer müssen aus dem Verkehr gezogen werden.“ Das ist bereits geschehen: Dario Frigo, der 31 Jahre alte italienische Wasserträger im Team Fassa Bartolo, wurde am Dienstag erst festgenommen und gestern wieder freigelassen. Gegen eine Kaution von 60 000 Euro allerdings nur. Auch seine Frau Susanna ist wieder frei. Sie war ebenfalls festgesetzt worden, nachdem Polizisten und Zöllner in ihrem Auto in einer Kühlbox Dopingmittel gefunden hatten. Zufall dürfte dieser Fund nicht gewesen sein. Offenbar haben die Polizisten Frigos Handy abgehört. Dem Ehepaar wird ein Verstoß gegen das französische Anti-Doping-Gesetz vorgeworfen. Susanna Frigo drohen drei Jahre Haft, ihr Mann muss mit einer lebenslangen Sperre rechnen. Kontrolliert wurden aber auch ein Lkw des Teams Phonak und ein Auto, in dem Betreuer des Teams Liberty Seguros saßen. Für Phonak fuhr früher Zeitfahr-Olympiasieger Tyler Hamilton (USA), der 2004 wegen Blutdopings von seinem Team entlassen wurde.

Frigo hatte schon 2001 Doping gestanden, bereits damals fuhr er für Fassa Bortolo. In seinem Hotelzimmer, beim Giro d’Italia 2001, wurden ein Testosteronpflaster, eine Spritze mit Spuren von Wachtstumshormon und Ampullen mit dem Epo-ähnlichen Produkt RSR-13 gefunden.

Den Ermittlern erklärte Frigo später: „Alle dopen sich. Der ganze Radsport ist verseucht. Als Amateur habe ich nie etwas genommen, aber bei den Profis hat das System.“ Insidern ist das längst klar, auch Leblanc weiß das natürlich. Er darf es nur nicht offiziell zugeben. Frigo wurde neun Monate gesperrt und sein steiler sportlicher Aufstieg erst mal gestoppt. Der Italiener hatte zweimal die Tour de Romandie und Paris – Nizza (2001) gewonnen, und beim Giro lag er in der Gesamtwertung auf Platz zwei, als er aufflog. Fassa Bortolo schmiss ihn raus, Frigo ging nach seiner Sperre zum unterklassigen Team Tacconi und kehrte nach ein paar Monaten wieder zu Fassa Bortolo zurück.

Dort geht Sportdirektor Bruno Cenghialta auf Distanz zu dem Italiener. „Es ist eine Angelegenheit von Frigo, nicht von Fassa Bortolo. Schließlich haben wir der Polizei gesagt, dass Dario Besuch von seiner Frau bekommen hat.“ Teamchef Giancarlo Ferreti drückt sich drastischer aus: „Frigo ist eine Kanaille.“ dpa

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