• Nick Heidfeld über Formel 1 und Formel E: "Der größte Unterschied ist das Geräusch"

Nick Heidfeld über Formel 1 und Formel E : "Der größte Unterschied ist das Geräusch"

Am Samstag steigt mit der Formel E zum ersten Mal seit 17 Jahren wieder ein Autorennen in Berlin. Mit dabei ist auch Nick Heidfeld. Im Interview spricht der Ex-Formel-1-Rennfahrer über das neue Rennen.

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Nick Heidfeld, 38, fuhr von 2000 bis 2011 insgesamt 183 Rennen in der Formel 1. In dieser Saison startet er in der neuen Formel E, die am Samstag in Berlin zu Gast ist.
Nick Heidfeld, 38, fuhr von 2000 bis 2011 insgesamt 183 Rennen in der Formel 1. In dieser Saison startet er in der neuen Formel E,...Foto: dpa

Herr Heidfeld, fährt sich ein Formel-E-Auto grundsätzlich anders als ein Formel-1-Wagen?

Der Wagen ist im Vergleich zur Formel 1 relativ schwer, etwa 900 Kilo. Auf Stadtkursen mit Randsteinen und vielen Bodenwellen, da muss das Auto einiges aushalten. Die Reifen spielen auch nicht so eine wichtige Rolle, dafür müssen wir mit der Energie haushalten. Es ist ein anderes Fahren, ähnlich wie bei den Sportwagen. Da muss man seit zwei Jahren auch Energie sparen. Aber das gibt es ja jetzt auch in der Formel 1.

Und wie sieht es mit dem Unterschied zwischen einem Elektromotor und einem Verbrennungsmotor aus?

Ein spürbarer Unterschied ist, dass die Kraft noch konstanter und feiner dosierbar ist. Der größte Unterschied für Fahrer und Zuschauer ist aber natürlich das Geräusch. Als ich das erste Mal im Auto saß, war das ganz ungewöhnlich. Ich fuhr auf die erste Kurve zu und habe die Windgeräusche und das Reifenquietschen gehört, aber fast nichts vom Motor. Für mich ist es immer noch nicht ganz einfach, den richtigen Zeitpunkt zum Schalten zu finden. Da nutzt man im Rennauto sonst oft das Gehör, und das fehlt hier eben ein bisschen. Wir haben nur die Warnlampen am Lenkrad. Doch gerade im Zweikampf guckst du da normalerweise nicht drauf, sondern auf die Strecke oder in den Rückspiegel.

Die Formel E fährt nur auf Stadtkursen, wie etwa in Berlin, die meist voller Schlaglöcher und Schmutz sind. Muss man da grundsätzlich anders fahren, um nicht rauszurutschen?

Ja, man muss sich im Vergleich zu den echten Rennstrecken von unten ans Limit tasten. Auf anderen Rennstrecken kannst du dich mal verbremsen und fährst dann in die Auslaufzone. Da ist ja mittlerweile leider alles geteert – dann fährst du halt wieder zurück auf die Strecke. In der Formel E wirst du für Fahrfehler meistens bestraft. Mir macht es viel Spaß, da weniger Raum für Fehler zu haben.

Die Autos sind relativ langsam und erreichen selten mehr als 200 km/h. Vermissen Sie nicht die Power der Formel 1?

Es macht immer mehr Spaß mit einem schnelleren Auto, mit mehr Grip und Motorleistung. Die Formel 1 ist natürlich viel schneller – hier haben wir gerade mal knapp 300 PS. Aber vielleicht gerade deswegen haben wir sogar noch spannenderen Rennsport. Auf den engen Stadtkursen sieht das schnell aus, und es fühlt sich auch im Auto so an. Und weil wir etwas langsamer sind, kann man etwas leichter überholen, denn die Aerodynamik ist nicht so hochgezüchtet wie in der Formel 1.

Optisch fällt auf, dass die Formel-E-Autos Stoßfänger vor den Reifen haben. So soll ein Aufsteigen der Autos bei Zweikämpfen verhindert werden.

Das ist auf jeden Fall eine gute Idee. Würde mich nicht wundern, wenn man auch in anderen Formel-Serien mehr und mehr in die Richtung geht.

Durch die Stoßfänger scheinen sich aber auch eher härtere Zweikämpfe wie bei den Tourenwagen zu entwickeln.

In den letzten Rennen ging es auf jeden Fall in die Richtung, ich fand es aber teilweise deutlich zu extrem. An so einem Formelwagen kannst du dir schnell was kaputtfahren und bist aus dem Rennen raus.

Eine weitere Neuerung ist der sogenannte Fanboost. Die Fans stimmen ab, wer per Knopfdruck zeitweise ein paar Zusatz-PS bekommt. Dadurch soll mehr Nähe zu den Fans geschaffen werden. Durch den Castingshow-Faktor entsteht aber auch ein gewisser Druck zur Nabelschau in den Sozialen Medien, oder?

Ich bin auf Twitter aktiv, auf Facebook nicht. Ich habe auch schon mal geschrieben: Votet für mich! Aber da irgendeinen Quatsch zu machen, das tu ich nicht. Das ist einfach ein bisschen komisch.

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