• Nick Heidfeld über Formel 1 und Formel E: "Der größte Unterschied ist das Geräusch"

"In der Formel 1 sind einige Fahrer nur dabei, weil sie Geld mitbringen"

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Nick Heidfeld über Formel 1 und Formel E : "Der größte Unterschied ist das Geräusch"
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Wie finden Sie den Fanboost generell?

Ich finde es grundsätzlich toll, die Fans zu integrieren. Aber vielleicht findet man da eine andere Idee. Ich habe tatsächlich Schwierigkeiten mit dem Fanboost, weil ich mich mit dem Konzept nicht anfreunden kann. Es ist einfach unfair den anderen Fahrern gegenüber, weil es nicht die gleichen Bedingungen für alle hergibt. Natürlich nehme ich ihn, wenn ich ihn bekomme, auch weil das Team das von mir erwartet. Aber gerade anfangs habe ich sogar überlegt, den Fanboost nicht einzusetzen, wenn ich ihn habe.

Ist das Formel-E-Publikum ein anderes als etwa bei der Formel 1 oder der DTM?

Ja, ich glaube, das spricht andere, jüngere Leute an als der ursprüngliche Motorsport. Als ich mit acht Jahren mit dem Motorsport angefangen habe, habe ich mir ehrlich gesagt keine Gedanken gemacht, dass das für die Umwelt nicht das Allerbeste ist. Das ist heute bei der Jugend komplett anders. Diese jungen Leute, auch Kinder, sind bei uns an der Strecke. Für Familien ist die Formel E sowieso interessanter, da einem nicht gleich die Ohren wegfliegen. In London sind wir im Park unterwegs, da kannst du dann die Kinder mitnehmen, nebenan ist ein Spielplatz und ein Zoo. Das ist schon cool, was ganz Neues.

Ist der Spaßfaktor in der Formel E auch aus Fahrersicht höher, weil sie noch nicht so professionell ist wie die Formel 1?

Nein, die Formel 1 hat mir ja aufgrund ihrer Professionalität extrem viel Spaß gemacht. Man arbeitet da mit den besten Leuten zusammen, hat viel Geld und viele technische Möglichkeiten. Weltweit ist die Formel 1 führend beim schnellen Umsetzen von Ideen. Da hast du dich mit einem Ingenieur hingesetzt, und dann wurde was Neues entwickelt. Das vermisse ich hier. Wir haben ein Einheitsauto, daraus muss man das Beste rausholen. Spaß macht mir, dass ich in einem Auto sitze, mit dem ich gewinnen kann. Das war in der Formel 1 fast nie der Fall.

Die Formel 1 hat mit großen Zuschauerverlusten zu kämpfen. Interessieren Sie sich selbst noch dafür?

Meine Zeit in der Formel 1 habe ich sehr genossen, aber aus meiner Sicht fehlen da schon einige Dinge. Da sind einige Fahrer dabei, weil sie Geld mitbringen, nicht weil sie die besten Fahrer der Welt sind. Das ist das falsche Signal für eine Rennserie, die für sich beansprucht, die beste Technik, die besten Autos und die schnellsten Rennfahrer zu haben. Den neuen Sound finde ich auch extrem störend. Selbst wenn du früher ein ganzes Stück von der Strecke weg warst, hast du das Schreien und Dröhnen gehört. Das war einfach geil, das war Gänsehaut. Für mich passt der neue Sound nicht.

Die Formel E könnte die Formel 1 irgendwann überholen. Dazu müsste sie aber erst einmal WM-Status erhalten. Hoffen Sie, dass das möglichst schnell passiert?

Klar, das würde mich natürlich sehr freuen. Sie würde dann extrem aufgewertet werden. Das Ziel und der Traum, den ich schon als kleiner Junge hatte, ist es, irgendwann mal Weltmeister zu werden. Das wäre geil. Ich wäre gerne auch mal bei Olympia dabei, aber das ist als Motorsportler ja schwierig.

Stattdessen Nick Heidfeld, der erste Elektroweltmeister?

Ja, das wäre cool.

Wenn Sie Kollegen aus der Formel-1-Zeit sehen, sagen Sie dann: Komm doch rüber in die Formel E?

Nein, für mich ist die Formel 1 nach wie vor das Ultimum. Aber die Formel E hat eine Berechtigung und macht auch sehr viel Spaß. Und mir war auch wichtig, dass es ein starkes Fahrerfeld gibt. Wenn da jetzt nur Nasenbohrer rumfahren würden, hätte ich auch keine Lust darauf. Ich liebe den Wettkampf, und den gibt es in der Formel E.

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