Sport : Nick Heidfelds erster Arbeitstag

Karin Sturm

Nick Heidfeld schaffte den Sprung aus der Formel 3000 in die Formel 1. Der 22-Jährige gibt in Melbourne sein Grand-Prix-Debüt im Prost-Peugeot. Sein erster Formel-1-Tag im freien Training sah so aus

7.30 Uhr: Frühstück im Hotel - "ganz normal, Obst, Toast", sagt Nick Heidfeld. Ganz normal? In seinen Formel-3000-Zeiten ließ er diesen Termin gerne ausfallen, um länger zu schlafen.

8.00 Uhr: Fahrt an die Strecke. "Diesmal bin ich auf der richtigen Seite in den Leihwagen eingestiegen (in Australien gilt Linksverkehr, Anm. d. Red.), und wir haben uns nicht verfahren wie gestern." Am Donnerstag hatte sich Heidfeld telefonisch an die Strecke lotsen lassen.

11.00 - 12.00 Uhr: Erste Stunde des freien Trainings. Um exakt 11.02 Uhr startet Heidfeld seine Formel-1-Karriere. Das Auto macht von Anfang an Ärger, es liegt schlecht, hat Probleme mit den Bremsen und muss zweimal an die Box. "Die Cockpit-Rückwand wurde ungewöhnlich heiß", sagt Heidfeld, "ich wollte sicherstellen, dass wir kein Problem mit dem Motor haben. Aber es lag wohl nur an den hohen Außentemperaturen." Eine Viertelstunde vor Schluss ist sein Training nach nur sieben gefahrenen Runden zu Ende - Dreher ins Kiesbett. "Ich bin beim Anbremsen mit den linken Rädern ins Gras gekommen. Ärgerlich, vor allem, weil mir jetzt Runden fehlen, um die Strecke besser zu lernen."

12.00 - 13.00 Uhr: Besprechung mit den Ingenieuren - mögliche Verbesserungen werden ausgetüftelt.

13.00 - 14.00 Uhr: Zweite Stunde des freien Trainings: Heidfeld ist mit dem Auto etwas zufriedener, "die Veränderungen, die wir in der Pause gemacht haben, haben schon ein bisschen was gebracht." Doch am Ende des Trainings ist er 22. und Letzter. Knapp hinter seinem Teamkollegen Alesi. Die Enttäuschung: "Ich hatte gedacht, dass wir bei den letzten Tests einige Probleme gelöst hätten - aber das sah heute nicht mehr so aus."

14.10 - 17.00 Uhr: Technisches Briefing mit den Ingenieuren. Der verzweifelte Versuch, an diesem Wochenende noch etwas zu retten. Alle Besprechungen finden - nicht zuletzt wegen Heidefeld - auf Englisch statt. Die Prost- und Peugeot-Techniker und Jean Alesi könnten auch Französisch reden. "Jean und ich beteiligen uns an den Diskussionen ziemlich gleichmäßig." Der 22-jährige Heidfeld gilt intern sogar als der bessere "Abstimmer" als der erfahrene Alesi.

17.00 - 17.45 Uhr: Fahrerbriefing der FIA, für Heidfeld nichts Besonderes: "Eigentlich habe ich nichts gehört, was ich nicht schon vorher wusste."

17.45 - 18.00 Uhr: Presserunde mit den Journalisten, Fernseh- und Radio-Interviews: "Der größte Unterschied zwischen Formel 3000 und Formel 1 ist das gewaltige Medieninteresse."

Ab 18.00 Uhr: Die Techniker warten schon - die Debatten vom Nachmittag werden zu Ende geführt. "Eigentlich sollte ich schon beim offiziellen Essen von Peugeot sein", ärgert sich Heidfeld. Wieder zu langsam.

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