Sport : Nickerchen beendet

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Der Riese schläft schon seit drei Jahren nicht mehr. Damals beschloss der FC Bayern, Geld, Engagement und Ehrgeiz in seine Basketballabteilung zu stecken. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga legte der Riese allerdings erst einmal wieder ein Nickerchen ein, quälte sich mit Albträumen von Trainerwechseln und internen Querelen. Donnerstagabend hat er aber zum ersten Mal wirklich seine Muskeln spielen lassen: Die Münchner warfen den dreimaligen Double-Gewinner Bamberg aus dem Pokal. Von einer Zeitenwende im deutschen Basketball muss man noch nicht sprechen, wohl aber von einem großen Ausrufezeichen.

Die Tatsache selbst – Bamberg verpasst erstmals seit 2010 wieder einen Titel – spricht bereits für sich. Aber erst die Details des Bayern-Siegs machen sein Ausmaß deutlich: Die Bamberger hatten letztmalig im Mai 2012 ein Heimspiel gegen einen deutschen Gegner verloren, vor jenem Ausrutscher gegen Bonn hatte der Serienmeister in eigener Halle 48 Mal in Folge gewonnen. In Bamberg siegt man eben nicht im Vorbeigehen – und an einen Halbzeit-Rückstand von 22:45 wie gegen Bayern kann sich in Franken erst recht niemand erinnern. Die Bamberger sind zwar zurzeit aufgrund der Euroleague-Belastung nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Dass der FC Bayern den Tabellenführer aber lange Zeit derart dominierte, war mehr als beeindruckend. Die Mannschaft von Alba Berlin, am Sonntag zu Gast in München, sollte gewarnt sein.

Ein Sieg in der Pokal-Qualifikation bedeutet natürlich nicht, dass der FC Bayern künftig den deutschen Basketball dominieren wird. Die Mannschaft, mit der Svetislav Pesic erst seit Anfang Dezember arbeitet, hat aber erstmals ihr Potenzial gezeigt, das durchaus für einen nationalen Titel reichen könnte – auch schon in dieser Saison. Die Konkurrenz muss sich darauf einstellen, dass der Riese seine Müdigkeit abgeschüttelt hat und endgültig aufgestanden ist.

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