Nico Rosberg auf dem Weg zum Champion : Nur der Teamkollege kann noch stören

Nico Rosberg ist auf dem besten Weg, Formel-1-Weltmeister zu werden. Was auch immer der 29-Jährige im Moment anfasst, es scheint zu gelingen. Lewis Hamilton ist wohl der einzige, der dem Deutschen auf dem Weg zum Titel noch gefährlich werden kann.

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Nico Rosberg liegt nach seinem Sieg in Hockenheim in der Gesamtwertung 14 Punkte vor Lewis Hamilton.
Nico Rosberg liegt nach seinem Sieg in Hockenheim in der Gesamtwertung 14 Punkte vor Lewis Hamilton.Foto: AFP

Von der Welle, auf der er derzeit schwimme, erzählte Nico Rosberg in Hockenheim. Mit sehr ähnlichen Worten beschrieb er immer wieder, wie toll sich die momentane Phase seines Lebens und seiner Karriere anfühlt. Was auch immer der 29-Jährige im Moment anfasst, es scheint zu gelingen. Und wenn es einmal läuft, dann läuft es eben – sodass es nicht nur leicht aussieht, sondern manchmal tatsächlich auch leicht für Rosberg ist, vorneweg zu fahren. Zum Sieg beim heimischen Grand Prix in Hockenheim sagte er: „Das war eines meiner einfacheren Rennen. Aber das habe ich ja vielleicht auch mal verdient, nachdem es genügend andere gab, bei denen mir mein Teamkollege die ganze Zeit über im Getriebe hing.“

Der „Teamkollege“ ist Lewis Hamilton. Und der zweite Mercedes-Pilot ist wohl der einzige, der dem Deutschen auf dem Weg zum WM-Titel noch gefährlich werden kann. Hamilton (174 Punkte) liegt in der Gesamtwertung nur 14 Punkte hinter Rosberg (190). Auf Platz drei allerdings rangiert der Australier Daniel Riciardo mit 106 Punkten schon so weit abgeschlagen, dass er in den Kampf um den Titel nicht mehr eingreifen kann.

So langsam macht man sich im Formel-1-Fahrerlager jedenfalls mit der Vorstellung vertraut, nach vier Jahren Sebastian Vettel auch in dieser Saison wieder einen deutschen Weltmeister zu bekommen. Dass bei der extremen Mercedes-Dominanz nur einer der beiden Silberpfeilpiloten für den Titel in Frage kommt, ist ja schon seit Langem klar – und Rosberg beweist seit einiger Zeit, dass er dem anfangs von vielen höher eingeschätzten Hamilton mindestens ebenbürtig ist, zuletzt sogar die Vorteile auf seiner Seite hatte.

Es ist ja nicht nur ein rein fahrerisches Duell auf höchstem Niveau, das da auf der Strecke ausgetragen wird, es ist vor allem auch ein mentales, eines, in dem es immer wieder darum geht, sich selbst aus schwierigen bis scheinbar aussichtslosen Situationen zu befreien. Da hatte es Nico Rosberg in den ersten Saisonrennen eher schwer. Der Deutsche galt schon als eine Nummer zwei, die immer nachgibt, abgestempelt. Hamilton, der Draufgänger, wurde als die klare Nummer Eins bei Mercedes gesehen. Doch dann schlug Rosberg in Monaco zurück und schien kurzfristig damit den Briten in eine kleine mentale Krise gestürzt zu haben.

Doch darauf verlassen, seinen Rivalen damit jetzt psychologisch geknackt zu haben, kann er sich noch nicht. Auch dann nicht, wenn er in seiner Souveränität und mit 14 Punkten Vorsprung in der WM derzeit fast unantastbar scheint. Zweimal zeigte Hamilton jetzt, in Silverstone und in Hockenheim, dass er sich nach bösen Rückschlägen im Qualifying selbst wieder aufrichten konnte. Mit einem Sieg beim Großen Preis von Großbritannien – allerdings begünstigt durch Rosbergs Ausfall wegen Getriebeproblemen und jetzt am Sonntag mit der Aufholjagd von Startplatz 20 auf Platz drei in Hockenheim.

Das nächste Rennen am kommenden Wochenende in Ungarn könnte im Kampf um den WM-Titel besonders bedeutsam werden. Denn zumindest statistisch gesehen ist der Hungaroring eigentlich Hamilton-Land. Viermal hat der Brite bei sieben Starts in Ungarn gewonnen. Trotzdem traut sich der Deutsche dort „natürlich“ seinen fünften Saisonsieg zu. „Mit dem Auto, das wir derzeit haben, sollte das funktionieren“, sagt Rosberg.

Sollte Nico Rosberg seinen letzten großen Rivalen in dieser Saison im nächsten Rennen tatsächlich besiegen, möglichst noch ohne Hilfe technischer Probleme an dessen Auto, könnte das schon Auswirkungen haben: Nicht nur durch den weiteren Ausbau der WM-Führung, sondern eben auch psychologisch – Lewis Hamilton hätte dann während der anschließenden vierwöchigen Sommerpause so einiges zum Nachdenken.

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