Sport : Nie waren sie so müde wie heute

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Yokohama (dpa). Nie zuvor haben sich bei einem internationalen Fußball-Turnier so viele Spieler ohne Einwirkung des Gegners verletzt wie bei dieser Weltmeisterschaft. Mit diesem alarmierenden Ergebnis ihrer Studie haben die Mediziner des Fußball-Weltverbandes Fifa die These von den überbelasteten Profis auch wissenschaftlich gestützt. „Die Profis haben definitiv zu viele Spiele“, sagte Jiri Dvorak, WM-Chefmediziner der Fifa, am Dienstag in Yokohama.

In den 60 WM-Spielen bis zum Halbfinale zählte die medizinische Kommission insgesamt 158 Verletzungen. Die Quote von 2,6 pro Spiel ist zwar nur geringfügig höher als bei der WM 1998 in Frankreich zum gleichen Zeitpunkt (144/2,4), aber die Ursachen haben sich grundlegend verändert. Vor vier Jahren lag der Anteil der Verletzungen ohne Berührung des Gegners nur bei 14 Prozent oder 20 Spielern. Diesmal humpelten mehr als doppelt so viele Spieler (41) oder 26 Prozent ohne Fremdeinwirkung vom Platz - meist mit Muskel- oder Bänderverletzungen.

„80 bis 90 Spiele pro Saison sind viel zu viel. Wir hoffen, dass wir das Problem näher untersuchen können, denn wir sind sehr besorgt um die Gesundheit der Spieler“, sagte der Tscheche Dvorak. „Wenn keine Zeit mehr zur Rehabilitation bleibt oder kleinere Verletzungen nicht auskuriert werden, führt dies nicht selten zu einer großen Verletzung.“ Vor allem im fortgeschrittenen Turnierstadium würde mitunter extrem auf entzündungshemmende und schmerzmindernde Mittel zurückgegriffen, die nicht auf der Dopingliste stehen. Vor vier Jahren in Frankreich seien 17 von 22 Spielern einer Mannschaft dementsprechend behandelt worden, ähnliche Quoten hält der Fifa-Doping-Beauftragte Toni Graf-Baumann auch in Asien für wahrscheinlich. „Der Umgang mit Schmerzen ist ein sehr ernster Punkt“, sagte der Freiburger, der das Thema in einer Langzeit-Studie untersuchen will. Dabei will er klären, ob durch übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln Signale des Körpers für eine benötigte Pause ignoriert werden. Deutlich verringert hat sich indes der Anteil der Foul-Opfer von 49 Prozent in Frankreich auf 38 Prozent in Asien. Die Verletzungen durch Zweikämpfe, die nicht als Foul gewertet wurden, blieben mit rund 36 Prozent praktisch unverändert.

Eine positive Bilanz zog Graf-Baumann bei der Doping-Bekämpfung. Alle 240 bis zum Halbfinale entnommenen Tests waren negativ. „Das zeigt, dass wir auf internationaler Ebene mit unserer harten und präventiven Dopingpolitik richtig liegen“, sagte der Mediziner. Der erstmalige Einsatz von Bluttests brachte nach seinen Angaben ein ebenfalls erfreuliches Ergebnis. Denn der bei den Proben ermittelte Hämatokritwert, der Aufschluss über die Anzahl der roten Blutkörperchen gibt, liege im Durchschnitt deutlich unter dem von Athleten in anderen Sportarten.

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