Sport : Nie wieder Doppelspitze!

Robert Ide

wünscht sich einen neuen Verband für den deutschen Sport Das bescheidene Abschneiden der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Athen hat inzwischen einen bizarren politischen Abschluss gefunden: Ulrich Feldhoff, der Leistungssportchef des Deutschen Sportbundes (DSB), sagte bei einer Pressekonferenz: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ Danach trat Klaus Steinbach, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), vor die Kameras. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte auch er. Nun hatte der deutsche Sport zwei blaue Augen. Genau das ist das Problem.

Es gibt zwei Dachverbände für den deutschen Sport. Das NOK entsendet die Olympiamannschaft; weiter gehende Aufgaben kann es kaum finanzieren. Der DSB, dessen Kernkompetenz der Breitensport ist, kümmert sich deshalb ebenfalls um die Spitzensportler. Nach dem sechsten Platz des deutschen Teams in Athen drängt sich die Frage auf, ob diese Arbeit professionell genug ist.

Seit Jahren wird über eine Fusion der Verbände diskutiert. Doch das kleine NOK will seine Eigenständigkeit wahren. Deshalb versuchte Steinbach, seinen Verband von Frankfurt am Main nach Berlin umzusiedeln. Deshalb suchte er einen eigenen Referenten für Leistungssport. Doch überall, wo Steinbach Profil bilden möchte, stößt er an Grenzen der Machbarkeit. Wegen der gescheiterten Leipziger Olympiabewerbung hat auch er persönlich an Renommee eingebüßt.

Nun drängt der DSB auf eine Fusion – möglichst unter seinem Dach. Präsident Manfred von Richthofen will einen Zusammenschluss schon bis 2006. In anderen Ländern ist ein einziger Dachverband längst Realität, etwa in den Niederlanden und der Schweiz. Langsam merkt auch der deutsche Sport, dass ein Gegeneinander nichts bringt. Und dass ein blaues Auge besser ist als zwei.

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