Sport : Niebaum muss, van Marwijk will weg BVB-Mitglieder wählen Rauball zum Präsidenten

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Wenigstens zum Ende der Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund war alles wie gewohnt: Alois Scheffler, der Präsident des Ältestenrates, stimmte zusammen mit den Spielern das Vereinslied an: „Wir halten fest und treu zusammen, BallHeil-Hurra Borussia.“ Danach wurde, wie es der gute Brauch beim Traditionsverein aus dem Revier gebietet, westfälische Erbsensuppe und Pils gereicht.

Zuvor war es jedoch wesentlich dramatischer zugegangen. Aufgrund der existenzgefährdenden finanziellen und auch sportlichen Lage war die Versammlung von der Westfalenhalle 2 in die große Westfalenhalle verlegt worden. Am Ende war der Andrang mit 1745 der 23 757 Mitglieder geringer als erwartet. Fast einstimmig wählten die Anwesenden mit Reinhard Rauball einen Mann zum neuen Vereinspräsidenten, der den wirtschaftlich angeschlagenen Verein in seinen beiden bisherigen Amtszeiten (1979 bis 82 und 84 bis 86) konsolidiert hatte.

Die Mitglieder artikulierten ihre Empörung über die Misswirtschaft des mit rund 119 Millionen Euro verschuldeten Klubs mit Vehemenz. Ihnen reicht es in der größten Krise der Vereinsgeschichte nicht aus, dass Gerd Niebaum – wie gestern geschehen – von seinem Amt als Präsident zurückgetreten ist. Sie verlangen das Abdanken von Manager Michael Meier sowie den Rückzug des Führungsduos Meier und Niebaum aus dem Amt als Geschäftsführer der GmbH KGaA. Als Fazit bleibt das tiefe Misstrauen der Basis, die Niebaum und Meier nicht zutraut, die Trendwende zu schwarzen Zahlen wie angekündigt in den kommenden zwei Jahren zu schaffen. Der SPD-Politiker und ehemalige Landesminister Hermann Heinemann sagte: „Wer den Untergang beschworen hat, kann nicht den Aufschwung herbeiführen.“

Ein anderes Problem ist die Personalie Bert van Marwijk. „Man merkt, dass er angefressen ist“, sagte Christian Wörns. Der Abwehrspieler schaute besorgt und gab so preis, dass es ihn nicht besonders überraschen würde, wenn der niederländische Fußballlehrer bald die Umzugskisten packt und Dortmund nach fünf Monaten schon wieder verlässt.

Frustriert sprach der 52 Jahre alte Trainer über den Motorschaden, der viel größer sei als geglaubt. Bei ihm hörte es sich fast so an, als sei er betrogen und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Dortmund gelockt worden. „Vieles, was in Dortmund los ist, hat man mir nicht erzählt“, sagte er. In den nächsten Tagen will er mit dem neuen Präsidenten sprechen. „Ich will wissen, wie es mit der Borussia weitergeht“, sagte van Marwijk. Der Trainer versuchte nach dem 0:1 in Kaiserslautern, die fünfte Saisonniederlage zu erklären: „Ich glaube schon, dass das mit der ganzen Situation des Klubs zu tun hat.“ Trotzdem wirkte van Marwijk ratlos. Angesichts einer langen Verletztenliste hatte er in Kaiserslautern einen halben Kindergarten aufgeboten, an deren Seite aber „Spieler standen, die den Unterschied hätten ausmachen können, aber sie sind nicht aufgestanden“, klagte der Trainer der Borussen.

Die Spieler diskutierten derweil in der Kabine über die Zukunft ihres Klubs, offenbarte Christian Wörns. Davon könne sich keiner frei machen, obwohl sie sportliche Aufgaben hätten. Immer mehr beschleiche ihn und die Kollegen ein Gefühl der Ohnmacht. Dadurch aber fehle ihnen die Lockerheit. „In dieser Saison weiß jeder früh, dass es gegen den Abstieg geht“, sagte Wörns. Der BVB wird nicht nur im finanziellen Sektor ein gutes Krisenmanagement brauchen.

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