Sport : Niedergeschmettert

Die deutschen Teilnehmer enttäuschen bei der Beachvolleyball-WM in Brasilien

Felix Meininghaus

Rio de Janeiro. Der junge Mann ist selbst in der Gilde der Beachvolleyballer ein auffallend langer Kerl. Wenn sich Niklas Rademacher mit seinen zwei Metern und acht Zentimetern vor einen stellt und nicht so recht weiß, wo er mit seinen Gliedmaßen hin soll, versprüht der 21-Jährige den Charme eines Teenagers, der bei einer Jugendmeisterschaft ans Netz geht. Richtig zerbrechlich wirkt er im Vergleich zu all den gestandenen Kerlen, die den Sand mit Muskel bepackten Oberkörpern durchwühlen.

Doch Rademacher weiß sehr wohl mitzuhalten im Kreis der etablierten Beachvolleyballer, die alle ein gutes Stück älter sind als der junge Mann aus Bocholt. Bei den Beachvolleyball-Weltmeisterschaften in Rio de Janeiro hat sich Rademacher mit seinem Partner David Klemperer bis auf Rang neun vorgeschmettert und dafür 10 000 Dollar Preisgeld kassiert. Klemperer und Rademacher waren als jüngstes Team dieser Titelkämpfe die Überraschung bei den Deutschen, die mit vier Mannschaften an die Copacabana gefahren waren. Am Ende hat es zwei neunte und zwei 17. Plätze gegeben. Eine Bilanz, die kein Grund ist, in tiefe Depression zu verfallen, aber auch kein Anlass für Jubelarien ist.

Seinen größten Sieg hat der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) in Rio auf diplomatischem Parkett errungen: Es wurde der Vertrag unterschrieben, in dem die Vergabe der Weltmeisterschaft 2005 nach Berlin festgehalten ist. Auf dem Spielfeld sind die Deutschen jedoch hinter den Erwartungen geblieben. Vor allem die Niederlage von Christoph Dieckmann und Andreas Scheuerpflug (Berlin) im Achtelfinale gegen die Brasilianer Fred und Brazao war schmerzhaft. Dieckmann und Scheuerpflug schieden als letztes deutsches Team aus. Ein Duo aus dem Quartett hätte jedoch das Viertelfinale erreichen müssen, um dem DVV den Verbleib in der ersten Fördergruppe des Bundes zu sichern. DVV-Präsident Werner von Moltke bezifferte den Verlust durch die nun anstehende Rückstufung auf rund 80 000 Euro. „Eine bittere Pille“, sagte von Moltke. „Wenn Du nach der Gruppenphase vier Teams in der Hauptrunde hast, hoffst Du natürlich, dass wenigstens eines durchkommt.“ Eine trügerische Hoffnung. Als gestern in Rio auf dem Centre Court das Finale gespielt wurde, waren die Asse aus Brasilien und den USA mal wieder unter sich.

Die große Show stieg ohne deutsche Beteiligung. Für die Jüngeren unter den deutschen Beachvolleyballern lässt sich das verkraften, vor allem für Rademacher und Klemperer. Das Duo hat seine Karriere noch vor sich. Auf die Olympischen Spiele in Athen im kommenden Jahr spekulieren sie aber noch nicht, Klemperer und Rademacher sehen ihre olympische Laufbahn in ferner Zukunft. Im kommenden Jahr werde es wohl noch nichts mit dem Sandturnier unter den fünf Ringen, hat Rademacher in Rio erzählt. Als er gefragt wurde, ob es dann Peking 2008 sein solle, hat er grinsend geantwortet: „Warum nicht auch 2012 oder 2016? Da bin ich 33, also im besten Alter für Beachvolleyballer.“

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