Sport : Niederlage als „Wachmacher“ für Alba Berlin

Benedikt Voigt

Oldenburg - Demond Greene stand in der Oldenburger EWE-Arena vor dem Spielerausgang und dachte mit Schrecken an die Heimfahrt im Doppeldeckerbus. „In den ersten zwei Stunden werden wir uns das Spiel noch einmal ansehen“, sagte der Basketballer von Alba Berlin. Das allein sei schon nicht angenehm. Die Spieler könnten zwar während des Videos aus dem Fenster sehen, „aber das macht keiner, wir wollen schon sehen, was schief gelaufen ist“, sagt Greene. Danach komme das Schlimmste. „Dann sind es noch vier Stunden bis Berlin, da werde ich mir so meine Gedanken machen.“

Die Alba-Basketballer hätten sich die nächtlichen Gedanken angenehmer gestalten können. Doch die erste Niederlage (74:80) nach 15 Siegen zwang den Pokalsieger, sich plötzlich damit zu befassen, dass das Play-off-Viertelfinale gegen den Bundesliga-Achten EWE Baskets Oldenburg eine schwierigere Angelegenheit als erwartet werden könnte. 1:1 nach Siegen steht es nun in der Serie nach dem Modus „Best of five“. Die Berliner müssen am Sonntag in der dritten Partie (18 Uhr, Max-Schmeling-Halle) unbedingt gewinnen, um nicht im vierten Spiel am kommenden Dienstag (20 Uhr) in Oldenburg vor dem Ausscheiden zu stehen.

Die Ursache für die Niederlage war schnell gefunden. „Wir haben grottenschlecht geworfen“, sagte Trainer Henrik Rödl. Oldenburg hatte Alba gezwungen, von außen zu werfen, hatte Centerspieler Jovo Stanojevic in Doppeldeckung genommen – weshalb hinter der Dreipunktelinie oft ein Berliner freistand. „Da musste ich den Ball passen“, sagt Stanojevic, „das ist unser normales Spiel.“ Nicht normal jedoch ist, dass seine Kollegen aus der Dreipunktedistanz am Korb vorbeiwerfen. Nenad Canak (acht Würfe, ein Treffer), Martynas Mazeika (neun Würfe, zwei Treffer) und Hollis Price (16 Würfe, fünf Treffer) spiegelten die Misere wider. Schmerzlich vermisste Alba den an der Leiste operierten Dreipunktespezialisten Mike Penberthy. Auch am Sonntag ist sein Einsatz fraglich. Im dritten Spiel müssen sich die Berliner zudem besser um Oldenburgs Tyron McCoy kümmern, der im Schlussviertel 15 seiner 28 Punkte erzielte.

Vielleicht kam die Niederlage zum richtigen Zeitpunkt. „Das könnte ein Wachmacher gewesen sein“, sagt Greene. Die Berliner Ausgangsposition bleibt jedoch die gleiche wie vor der Niederlage. „Wir müssen immer noch zwei Spiele gewinnen, um weiterzukommen“, sagt Stanojevic. Der Centerspieler blickt auf die Ausgangstüre und seufzt. Noch sechs Stunden bis Berlin.

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