Niederlage : Den Mut verloren

Was die Füchse-Handballer aus der hohen Niederlage gegen den THW Kiel schließen.

Hartmut Moheit
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Im Netz und am Boden. Die Enttäuschung über den Kieler Treffer ist Füchse-Torhüter Silvo Heinevetter anzusehen. -Foto: City-Press

Berlin Erst sahen sie sich ratlos an, dann sagte schließlich einer: „Ich wüsste nicht, wenn wir ehren sollten.“ Die Uhr, die bisher für den besten Spieler bei den Füchsen vergeben wurde, blieb erstmalig im Besitz des Sponsors. Der Schock war zu groß gewesen, wie sich die Berliner beim 23:40 (13:18) in eigener Halle vom THW Kiel hatten vorführen lassen. Für Füchse-Manager Bob Hanning war der Auftritt vor den 7918 Fans, vor allem in der zweiten Halbzeit, „der schlimmste, seit wir in der Bundesliga sind“. Ihn bewegte nicht so sehr, dass sich die Füchse da vom Favoriten, von der besten Klubmannschaft der Welt, hatten vorführen lassen, das Team von Trainer Dagur Sigurdsson hatte sich zuletzt aufgegeben. Das tat Hanning besonders weh und deshalb formulierte er auch scharf: „So etwas darf einfach nicht passen.“ Daran änderte für ihn auch die Aussage des Kieler Trainers Alfred Gislason nichts, der dem THW eine „starke Leistung“ attestierte, und sagte: „Das konnten wir teilweise nicht besser machen.“

Dagur Sigurdsson analysierte dann auch nicht die Stärken des Gegners, sondern die Schwächen seines Teams. „Die Gründe waren zu wenig Kraft und Leute, die ohne Energie spielten. Außerdem hatten wir Totalausfälle im Angriff. Wir konnten die negative Entwicklung nicht stoppen, die Kräfte haben nachgelassen und der Rückzug war nicht schnell genug, wir haben uns zudem die Würfe zu früh genommen. Das war eine Lehrstunde im Handball“, sagte er mit leiser Stimme und traurigem Blick. Dass Spieler wie Petr Stochl, Sebastian Schneider, Markus Richwien und Konrad Wilczynski wegen Verletzungen oder leichter Krankheiten nicht fit waren, wollten weder Hanning noch Sigurdsson als eine Ausrede gelten lassen. Sigurdsson erkannte, dass sein Team gegen den groß aufspielenden THW letztlich den Mut verloren habe. Seine Erklärung dafür: „Wir wollten gegen Kiel etwas reißen, hatten uns enorm viel vorgenommen, aber dann recht bald die Überlegenheit erkennen müssen.“

Diese Ehrlichkeit kommt bei den Sponsoren der Füchse gut an. „Es klingt paradox, aber ich fand noch nie so viel Zuspruch“, berichtet Bob Hanning, der am selben Abend zig Vip-Karten los wurde für das Spiel am kommenden Mittwoch gegen Hamburg , hinter Kiel der Tabellenzweite. „Die Wahrheit sagen, das ist eben wichtig“, sagt er. Alle seien sich darin einig gewesen, dass dieses Spiel wieder besser werde. „Wir sind es den über 7000 Fans schuldig, eine kampfstarke Leistung zu bieten. Da muss sich jeder an der Ehre gepackt fühlen“, sagt Silvio Heinevetter. Im gestrigen Videostudium von dem Spiel hat der deutsche Nationaltorhüter noch einmal gesehen: „Das war eine Offenbarung. Die Abwehr agierte mehr aus der Zuschauerrolle, der Angriff wurde in der zweiten Halbzeit dieser Bezeichnung nicht gerecht.“ Heinevetter sagt deshalb auch: „Gute Reden helfen jetzt nicht, jeder muss sich an die eigene Nase fassen.“ Und Wilczynski fügt hinzu: „Das will keiner von uns noch mal erleben.“

Dass aber die Füchse in ihren Mitteln von vornherein limitiert sind, wurde schon vor dem Spiel gegen Kiel deutlich. Gegen die Mehrzahl der Bundesliga- Teams kann die eigentlich gute Abwehr mit den Klassetorhütern Heinevetter oder Stochl im Rücken das ausgleichen, oder gegen Teams aus unteren Tabellenregionen sogar ganz kompensieren. Wenn es jedoch auf den Rückraum ankommt, genügt allein Bartlomiej Jaszka höheren Anforderungen, als flinker Antreiber, Ideengeber und Torschütze. Die Halbpositionen sind der große Schwachpunkt. Da ändert auch nicht daran, dass Kjetil Strand oder Mark Bult schon mit der Sponsor-Uhr geehrt wurden. Eigentlich hätten sie das gute Stück am späten Sonntagabend wieder zurückgeben müssen.

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