Sport : Niederlage der Nerven

Grönefeld scheitert bei den US Open in Runde eins

Matthias B. Krause

New York - Der Regen über dem New Yorker Stadtteil Queens hatte sich gerade erst verzogen, die Luft war feucht, dass sie kaum in die Lungen wollte. An einem Morgen wie diesem sind die Tennisbälle in Flushing Meadows so schwer und widerwillig wie gerollte nasse Waschlappen. Doch daran lag es nicht, dass die derzeit eigentlich beste deutsche Tennisspielerin bereits in Runde eins der US Open ausschied – wieder einmal. „Im ersten Satz hat sie viele Bälle in die Karpaten geschossen, dann habe ich selbst zu wenig Druck gemacht und sie wieder ins Spiel kommen lassen“ sagte Anna-Lena Grönefeld nach ihrer 6:2, 0:6, 4:6-Niederlage gegen die ungesetzte Französin Aravane Rezai.

Damit ist die Grand-Slam-Saison für die Deutsche beendet, seit dem Erreichen des Viertelfinales bei den French Open ging es für sie stetig bergab. Dem Erstrunden-Aus in Wimbledon folgte ein ebensolch schneller Abschied beim Open-Vorbereitungsturnier in New Haven, Connecticut. „Man kann das schon Tief nennen“, sagte Grönefeld, „es wird schwer, da wieder herauszukommen.“

Zwei Meter segelte ihr Aufschlag hinter die Linie: Ein Doppelfehler beendete das Match gegen Rezai. Grönefelds Trainer Rafael Font de Mora sah sich das Drama auf Platz sechs schon gar nicht mehr an, nach dem zweiten Satz, in dem seine genervt wirkende Spielerin die Linie verloren hatte, war er gegangen. Das gehöre zu den Methoden des Trainers, verteidigte Grönefeld ihn später: „Er macht das, damit ich besser werde. Wir haben ein klares Abkommen: Ich war zu negativ und es gefällt ihm nicht, wenn ich mit so einer Einstellung spiele.“ Doch ob Liebesentzug daran etwas ändert, ist noch die Frage. Bisher haben die umstrittenen Methoden des Meisters der Tennisschule in Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona, wo die Deutsche seit 2003 trainiert, nicht gefruchtet.

Als Grönefeld im vergangenen Herbst den Durchbruch zu den 20 besten Tennisspielerinnen der Welt schaffte, sah es so aus, als könne sie an die Tradition ihre Vorbildes Steffi Graf anschließen. Doch in dieser Saison hat sie zu oft mit ihren Nerven zu kämpfen. Grönefeld glaubt, dass nur sie sich jetzt helfen kann. Sie sagt: „Tennis ist ein Einzelsport, ich muss es selber schaffen.“

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