Sport : Niederlage mit Ausblick

Engagierte Dortmunder Profis stärken die Position ihres Trainers Thomas Doll

Michael Rosentritt

Berlin - Thomas Doll ließ seine Pokalmedaille beiläufig am Finger baumeln. Am liebsten hätte es sich Dortmunds Trainer erspart, als Verlierer in der Mitte des ausverkauften Olympiastadions vorbei am Bundespräsidenten zu defilieren. Thomas Doll war tief enttäuscht über den Ausgang eines Spiels, das seine Mannschaft genau so gut hätte gewinnen können. „Die Bayern hatten doch keine echte Torchance in der Verlängerung. Wenn der Schuss von Florian Kringe reingeht, gehen wir heute als Sieger vom Platz“, sagte Doll und tupfte sich die Stirn trocken.

Es war nicht nur der Ausgang des Spiels, das dem Trainer zu schaffen machte. Sichtlich mitgenommen hatte er zu einer aktuellen Meldung äußern müssen, wonach er seinen Traineramt im Sommer voraussichtlich an Jürgen Klopp (Mainz) abtreten müsse. „Ich finde es respektlos, dass man sich in der heutigen Medienlandschaft selbst an einem Finaltag Gedanken über einen Trainer macht“, sagte Doll. „Ich habe keine Ahnung, woher solche Dinge kommen.“

Zuvor hatte der 42 Jahre alte Trainer lobende Worte für seine Mannschaft gefunden: „Kompliment für das Engagement und die Einsatzfreude.“ Seine Mannschaft, die in der vergangenen Woche in Spielen gegen die Bayern und Hannover acht Gegentore kassiert hatte, biss sich nach 30 wackeligen Pokalminuten ins Spiel und kam verdient zum Ausgleich.

Der BVB ist in der Liga nach einer missratenen Spielzeit nicht frei von Abstiegsnöten. Ein Umstand, den viele Kritiker Doll anlasten. „Viele haben gefragt, ob ich noch die Mannschaft erreiche, ob ich noch der Richtige bin“, sagte Doll. Deshalb sei für ihn wichtig gewesen, „was die Mannschaft hier in Berlin abliefert“.

Als das unterlegene Team eine halbe Stunde nach Mitternacht den Ballsaal eines Hotels am Potsdamer Platz erreichte, erhoben sich 500 Bankett-Gäste und applaudierten. „Ihr habt zwar keinen Pokal, aber jede Menge Sympathien gewonnen“, rief ihnen Hans-Joachim Watzke zu. Der Geschäftsführer des BVB schloss den angegriffenen Trainer in sein Lob ein: „In den Tagen zuvor sind wir mit Häme überschüttet worden. Aber wir haben gezeigt, dass wir zurecht in diesem Finale standen.“ Ein Finale, dass „der Glücklichere, nicht der Bessere“ gewann, wie er sagte. Bei Doll verflog der Ärger dennoch nur ansatzweise. Watzke bestritt energisch, dass der Verein mit der Suche eines neuen Trainer begonnen habe. „Da ist absolut nichts dran. Wir haben weder mit Klopp noch mit irgendeinem anderen Trainer gesprochen“, sagte Watzke. Auch Sportdirektor Michael Zorc mühte sich, die Spekulationen zu zerstreuen: „Bei uns gibt es keine Trainerdiskussion. Thomas Doll hat einen Vertrag bis 2010. Schluss, aus.“

Der Dortmunder Auftritt in Berlin macht Dolls Position vorerst etwas sicherer. Fürs erste sprang ihm der routinierte Mannschaftskapitän Christian Wörns zur Seite: „Das kann eine Initialzündung für uns gewesen sein.“ Vielleicht auch für Thomas Doll. Michael Rosentritt

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