Niederlagen-Serie : Eisbären: Kurz vor Krise

Die Eisbären verlieren auch gegen Hannover: Das 3:4 ist die dritte Niederlage in nur fünf Tagen.

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Wieder einer drin. Eisbären-Torwart Rob Zepp kassiert gegen Hannover den Treffer zum 0:2 durch David Wolf (vorne). -Foto: City-Press

Berlin - „Peinlich.“ Don Jackson fand am Sonntagnachmittag vieles peinlich. Zuallererst das 3:4 (0:2, 2:2, 1:0) seiner Mannschaft gegen die Hannover Scorpions. Vor 14 200 Menschen in Berlins ausverkaufter Großarena hatte sich offenbart, dass sich die Eisbären inmitten einer Schwächephase befinden. Die Niederlage gegen Hannover war nach dem 2:5 in Augsburg und dem 2:5 in Nürnberg bereits die dritte Pleite binnen fünf Tagen. „Peinlich“ fand Jackson aber auch die Schiedsrichterleistungen und die Art und Weise, wie sich Hannovers Stürmer David Wolf nach einem angeblichen Stockstich von Steve Walker auf dem Eis gewälzt hatte. Das sei Schauspielerei gewesen, sagte Jackson. „Das war unprofessionell.“

Walkers angebliche Attacke gegen Wolf hatte zur Folge, dass der Eisbären-Kapitän eine Spieldauerstrafe erhielt und die Eisbären in der Schlussphase auch um die Chance gebracht wurden, aus einem 3:4 noch mehr zu machen als eine knappe Niederlage. Dass es am Ende spannend wurde, war allerdings erstaunlich. Denn schon nach 28 Spielminuten schienen die Eisbären auf dem besten Wege in ein Desaster zu sein. Hannover hatte die Berliner anderthalb Drittel so vorgeführt, wie das in dieser Saison noch kein Gegner gewagt hatte. In der Defensive agierten die Scorpions tadellos und dazu äußert geschickt beim Umschalten von Abwehr auf Angriff. „Mit unserem System kamen die Eisbären überhaupt nicht klar“, fand Hannovers bester Verteidiger Sascha Goc.

Wann immer sich die Eisbären in ihren Angriffsaktionen im Hannoveraner Drittel verhedderten, suchten und nutzten die Niedersachsen die Chance, den Gegner auszukontern. Zunächst überwand Klaus Kathan Berlins Torwart Rob Zepp mit einem Schuss in den Winkel, dann traf David Wolf – nachdem die Scorpions die tranige Berliner Abwehr mit zwei Pässen ausgespielt hatten.

Nach einem Fehler von Jeff Friesen erhöhte Andreas Reiß Anfang des Mittelabschnitts zum 3:0 für die Gäste. Nun gaben die Zuschauer alles: Trotzig erhoben sich die Eisbären-Fans in der Halle, feuerten ihr Team nach Leibeskräften an, sahen aber wenig später, wie die Berliner nach Aufgabe ihrer Defensivarbeit das 0:4 durch Tore Vikingstad kassierten. Nun sah sich auch Trainer Jackson bemüßigt, aktiv zu werden: Zepp musste seinen Platz im Berliner Tor für Markus Keller räumen. Das Spiel schien längst entschieden, dann aber gelang Steve Walker doch ein Tor für die Berliner. Nun wurde es rasant. Konter Hannover – Keller parierte. Konter Berlin – Alexander Weiß traf zum 2:4.

Die Hannoveraner verarbeiteten ihre Irritation nach der kurzen Berliner Drangphase und ordneten ihr Spiel danach wieder. Am Ende verloren die Eisbären aber auch, weil sich ihr Kapitän Walker die Spieldauerstrafe einhandelte. Zwar traf Florian Busch noch zum 3:4, doch zu mehr reichte es für die Eisbären nicht. Das wiederum fand Hannovers Trainer Hans Zach völlig in Ordnung. Falls er nach Studium der Spielaufzeichnung allerdings feststellen sollte, dass sein Spieler Wolf wirklich geschauspielert haben sollte, „dann bekommt der was zu hören“. Denn: „Kasperletheater auf dem Eis können wir keines gebrauchen.“

Die Eisbären könnten nun am Dienstag beim Spiel in Wolfsburg wieder einmal drei Punkte vertragen. Auch wenn sie weiterhin Tabellenführer sind – drei Niederlagen in Serie, das gab es lange nicht mehr. Verteidiger Derrick Walser gab deshalb die Losung aus: „Wir müssen uns mal wieder 60 Spielminuten lang konzentrieren.“

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