Sport : „Niemand kann mich aufhalten“

Der Boxer Felix Sturm gibt sich wie Ali, jetzt will er Weltmeister werden

Hartmut Scherzer[Hamburg]

Erst eine Niederlage in Las Vegas hat ihn hier zu Lande bekannt gemacht. Seit Felix Sturm im Juni 2004 im MGM Grand Casino den Superstar Oscar de la Hoya entzauberte, aber selbst nach einhelliger Meinung der amerikanischen Medien um den Sieg betrogen wurde, interessieren sich die Öffentlichkeit und auch die Talkmaster für den in Leverkusen geborenen Sohn bosnischer Zuwanderer.

In Talkshows konnte der attraktiv aussehende junge Mann Schlagfertigkeit auch der anderen Art zeigen. Antwort auf die Frage Stefan Raabs in „TV Total“, warum sich der Amateur Adnan Catic als Profi den Künstlernamen Felix Sturm zugelegt habe: „Weil Stefan Raab schon vergeben war.“ Mit dem Namenswechsel wollte der gebürtige Rheinländer „endlich als richtiger Deutscher akzeptiert werden“. Adnan Catic war 1998 und 1999 Deutscher Meister, 2000 Europameister und hat anschließend bei den Olympischen Spielen in Sydney für Deutschland geboxt.

Auf Felix kam er, weil Felix Glück bedeutet. Und als eine Lokalzeitung die Formulierung wählte, „Catic fegte über seinen Gegner hinweg wie ein Sturm“, war auch der Nachname gefunden.

Felix Sturm (27) trägt die Hoffnung der Branche, ein Publikumsliebling und Fernsehstar zu werden wie einst Henry Maske, Dariusz Michalczewski oder Sven Ottke. Ein gewisses Charisma zeichnet ihn schon aus, was für die Popularität so wichtig ist wie der linke Jab für den Champion. Aber noch fehlt seinen deutschen Ringauftritten das prickelnde Etwas. Das soll sich am Samstag ändern, wenn der einstige WBO-Weltmeister im Mittelgewicht in der Hamburger Color Line Arena (22.00 Uhr, live im ZDF) gegen den in Neuseeland lebenden Südsee-Insulaner Maselino Masoe um den WM-Titel der WBA kämpft.

Ein mitreißender Kampf und ein grandioser Sieg würden selbst den Etikettenschwindel vertuschen. Wer im Internet auf den einschlägigen Websites des Boxens die Weltmeister im Mittelgewicht anklickt, dem werden präsentiert: WBC: Jermain Taylor, WBA: Jermain Taylor, IBF: Artur Abraham, WBO: Jermain Taylor. Kein Maselino Masoe. Man muss schon die Seite der World Boxing Association (WBA) aufrufen, um den Sonderstatus Masoes zu entdecken. Dort wird Jermain Taylor als „Undisputed World Champion“ geführt, als unumstrittener Weltmeister, darunter als World Champion Maselino Masoe. Bei der WBA gibt es also nicht nur Neben- und Gegen-, sondern auch noch Ober- und Unterchampions. Titelinflation total.

Der schon 39 Jahre alte, aus Samoa stammende Masoe gewann 26 von 28 Kämpfen, davon 25 durch Knockout. Der deutsche Herausforderer dürfte diesen Gegner mit seiner feinen Technik sauber ausboxen. Felix Sturm, in dessen Rekord von 25 Kämpfen nur die Niederlage gegen de la Hoya verzeichnet ist, sagt: „Ich will mich mit den Besten messen. Und niemand kann mich aufhalten.“ Der Beste ist Jermain Taylor. Gegen den „undisputed“ Champion aus den USA hat Adnan Catic schon gekämpft: 2000 in Sydney bei den Olympischen Spielen und im Viertelfinale mit 14:19 Treffern verloren.

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