Sport : Niemand lacht mehr

Der FC Augsburg beweist, dass er erstligatauglich ist.

Carsten Eberts[München]
Wie ein Champions-League-Sieg. Trainer Luhukay und Manager Rettig jubeln. Foto: dpa
Wie ein Champions-League-Sieg. Trainer Luhukay und Manager Rettig jubeln. Foto: dpaFoto: dpa

Am Samstagnachmittag, um 17.18 Uhr, verließ der FC Augsburg tatsächlich den letzten Tabellenplatz. Viele hatten nicht mehr daran geglaubt, auch in Augsburg nicht; schließlich galt es als ausgemacht, dass der kleine Klub aus Bayern diese Saison als erster Absteiger beenden würde. Von diesen Gedankenspielen müssen sich die ebenfalls bedrohten Klubs aus Freiburg, Nürnberg, Kaiserslautern und vielleicht sogar Wolfsburg nach dem Augsburger 1:0-Sieg gegen Mönchengladbach nun verabschieden. Auch der FCA ist sportlich in der Lage, die Klasse aus eigener Kraft zu halten.

Beim Aufsteiger aus dem erweiterten Münchner Speckgürtel sorgte diese Erkenntnis für Hochstimmung. „Dieser Sieg ist enorm wichtig, weil wir endlich den 18. Tabellenplatz verlassen“, sagte Tobias Werner. Auch der Torschütze Jan-Ingwer Callsen-Bracker befand: „Wir sind jetzt in jedem Spiel konkurrenzfähig. Wir wollen uns weiter vorarbeiten, wir können die Klasse halten.“ Trainer Jos Luhukay freute sich nach dem Spiel, als hätte seine Mannschaft soeben die Champions League gewonnen, und attestierte seinen Spielern „pure Leidenschaft“. Keine Frage: Augsburg hat sich in die Liga hineingekämpft.

Trotzdem ist beim FCA nun nicht automatisch alles gut. Spielerisch war die Leistung auch gegen Gladbach wenig berauschend. In einer von vielen Fouls zerhackstückten Partie hatte Augsburg in der Anfangsphase Glück, als Gladbachs Raúl Bobadilla beste Chancen ausließ. Auch das Freistoßtor von Callsen-Bracker kurz nach der Pause war glücklich: Der Schuss des Kapitäns wurde von Bobadilla abgefälscht, Torwart Marc-André ter Stegen dadurch jeder Abwehrchance beraubt. Von Pech wollte Gladbachs Trainer Lucien Favre dennoch nichts wissen: „Der FCA war besser, hat mehr investiert, ist mehr gelaufen und hat uns früh unter Druck gesetzt.“ Der Aufsteiger durfte dies als ernst gemeintes Lob verstehen.

Mit dem dritten Sieg hat Augsburg auch den schlechten Saisonstart zumindest etwas korrigiert. Noch im Herbst wirkte die von Luhukay und Manager Andreas Rettig konstruierte Mannschaft kaum konkurrenzfähig. Dem FCA fehlte es in seinem ersten Bundesliga-Jahr überhaupt an Können, Glück und guten Spielern; für viele Fans war deshalb wenig nachvollziehbar, dass Luhukay ausgerechnet Aufstiegsheld Michael Thurk wegen disziplinarischer Verfehlungen aus dem Profi-Kader verbannte.

Kurz vor Weihnachten weiß die Liga nun besser über Augsburg Bescheid. Der FCA verfügt über eine zwar überschaubar begabte, jedoch sehr kampfstarke Mannschaft, hat mit Sascha Mölders einen passablen Stürmer und mit Callsen-Bracker dazu einen Mann für die wichtigen Tore: Drei Saisontreffer gelangen ihm bislang; Augsburg holte aus diesen Spielen sieben Punkte. Am Samstagnachmittag war Callsen-Bracker auch der Mann für den Optimismus: „Warum sollten wir jetzt nicht auch beim HSV gewinnen?“, fragte er mit Blick auf das verbleibende Hinrundenspiel in Hamburg. Für diese Frage wäre er vor wenigen Wochen noch ausgelacht worden.

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