Sport : Niemand schützt Littbarski

Wolfsburgs neuer Coach könnte bald der alte sein

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Das traurige Gesicht, mit dem Pierre Littbarski seine in der Branche üblichen Durchhalteparolen verkündete, verdiente Mitleid. „Ich sehe da Positives. Wer immer ans obere Limit geht, der wird auch belohnt“, sagte der Cheftrainer des VfL Wolfsburg, dessen Entlassung weiter zu befürchten steht. Als Nachfolger des erfolglosen Steve McClaren sollte Littbarski die Niedersachsen vor dem weiteren Abrutschen in der Fußball-Bundesliga bewahren. Aber wegen der 1:2-(1:1-)Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg, nach der die Wolfsburger Profis völlig ratlos wirkten, bleibt es bei einer ernüchternden Bilanz. Drei Punkte aus fünf Spielen, 16. Tabellenplatz: Was Littbarski in seiner Rolle als Trainer für den Übergang zu bieten hat, ist dürftig.

Ein Rauswurf nach dem Spiel blieb dem 50-Jährigen noch erspart. Der Auftritt einer Wolfsburger Mannschaft, die während der Winterpause noch einmal mit sechs Profis aus aller Welt verstärkt worden ist, wirkte konfus. „Ich war noch nie in einer solchen Situation. Das ist wirklich kompliziert“, sagte Mittelfeldspieler Diego, bei dem zumindest noch der Einsatzwille stimmte. Aber mit Blick auf das Spielerische gab der Auftritt des VfL vor 27 316 Zuschauern Anlass zur Sorge. „Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt“, sagte Verteidiger Sascha Riether, dem ein wenig bange davor war, schon über das bevorstehende Duell im Abstiegskampf beim VfB Stuttgart am Sonntag zu reden. Von einer gewissen Angst vor der Zweiten Liga sprach der Wolfsburger Kapitän Marcel Schäfer. Die Sorge davor, in den verbleibenden acht Spielen noch mehr zu verkrampfen, ist berechtigt. Bis auf den früheren Freiburger Riether kennt sich keiner der Spieler des Vereins, der im Sommer 2009 noch Deutscher Meister war, mit dem Abstiegskampf aus.

Die Spieler betonten in Interviews zwar mehrfach, dass Littbarski von der Mannschaft voll akzeptiert sei, der entscheidende Mann aber hielt sich bedeckt. Dieter Hoeneß, als Vorsitzender der Wolfsburger Geschäftsführung für die großen Personalentscheidungen (und damit für Littbarskis Einsetzung als Trainer) zuständig, hüllte sich nach der Niederlage in Schweigen und lehnte auch gestern jede schützende Stellungnahme ab. Ein Sprecher des Vereins sagte, man wolle die Zeit für interne Analysen und klärende Gespräche nutzen. Sie lassen Littbarski weiter in einer Rolle leiden, die im Grunde nicht zu seiner bescheidenen Persönlichkeit passt. Dass es bereits Kontakt zu Hans Meyer gibt, den Hoeneß schon zu seiner Zeit bei Hertha BSC als erfolgreichen Retter im Abstiegskampf verpflichtete hatte, mochte der Verein nicht kommentieren.

Littbarski selbst präsentierte sich angesichts seiner pikanten Lage ängstlich und überfordert. Trotzdem möchte er weiter kämpfen. „Die Frage stellt sich nicht“, antwortete Littbarski, als es darum ging, ob er fünf Wochen nach seiner Beförderung vom Assistenz- zum Chefcoach mit seiner Entlassung rechne.

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