Sport : "Niemandem auf den berühmten Nerv gehen", ist die Devise des DFB

Als die deutsche Bewerbung für die Fußball-WM 2006 offiziell auf den Weg gebracht war, bevorzugte Franz Beckenbauer bei der Präsentation die leisen Töne. "Ich kann nicht sagen, wie die Entscheidung ausfallen wird. Alle fünf Kandidaten haben berechtigte Hoffnungen, es ist ausgeglichen. Es nützt nichts, Spekulationen anzustellen. Bis zum Juli 2000 kann noch viel passieren", sagte der Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Chef des WM-Bewerbungskomitees bei einem kleinen Empfang mit Weißwurst und bayerischem Bier. In elf Monaten werden die 24 Mitglieder des Exekutivkomitees des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) den Gastgeber der WM 2006 bestimmen. Im Ringen um die nötigen Stimmen wird der DFB daher weiter am Ball bleiben, will dabei aber eher unauffällig agieren. "International ist unsere Devise: ständig präsent, aber dezent. Wir wollen niemandem auf den berühmten Nerv gehen", umriss Fedor Radmann, Koordinator im deutschen Bewerbungskomitee, die Strategie.

Genaue Prognosen über den Wahlausgang können derzeit kaum getroffen werden. Aber eines scheint gewiss: Um die deutschen Chancen steht es nicht schlecht. Der mit 6,3 Millionen Mitgliedern größte Verband der Welt genießt trotz der zuletzt nur schwachen Leistungen der Nationalmannschaft ein hohes Ansehen auf allen Kontinenten. "Wenn nichts größeres passiert, sind wir gut im Rennen", weiß auch Beckenbauer um diesen Fakt.

Die Konkurrenten Südafrika, Marokko, England und Brasilien haben allerdings wie der DFB laut Fifa-Präsident Joseph Blatter "eine sehr gute Vorarbeit geleistet" und die Präsentation in der Fifa-Zentrale in Zürich "sehr ernst genommen". Alle Bewerber stützten sich auf offizielle Schreiben von Staatsoberhäuptern oder staatlichen Behörden. "Das zeigt, wie hoch der Stellenwert der WM ist", sagte Blatter.

Zu den Aussichten der fünf Bewerber gab Blatter keinen Kommentar ab. "Ich habe im Vorfeld immer gesagt, ich bin dafür, dass die WM aus Gründen der Solidarität nach Afrika geht. Ab heute werde ich mich bis zur Entscheidung nicht mehr zu dieser Frage äußern und meine Neutralität wahren", erklärte der Fifa-Chef, der bei einem Abstimmungsergebnis von 12:12 den WM-Austragungsort bestimmen würde.

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