Sport : NIGERIA

Das Goethe-Institut hat sich für uns die Rolle der Frau und des Frauenfußballs in den WM-Ländern angeschaut. Heute geht es um den

Unterschied zwischen Hühnchen, Adlern und Falken.

Wenn ein satter und flügellahmer Adler eine Bauchlandung macht, retten die Falken die Situation. Das ist kein afrikanisches Sprichwort, sondern afrikanische – genauer: nigerianische – Realität. Mit ihrem sieglosen Vorrunden-Aus blamierte sich die „Super Eagles“ genannte nigerianische Männernationalmannschaft bei der WM in Südafrika derart, dass sie im Volksmund bald „Super Chicken“ hieß und Präsident Goodluck Jonathan das Team mit einem zweijährigen Spielverbot im Ausland belegen wollte.

Was für ein Glück, dass da zumindest die Frauen die Fußball-Ehre des größten afrikanischen Landes retten: Im November 2010 holten die „Super Falcons“ zum fünften Mal die Frauen-Afrikameisterschaft. Unvergessen ist in Nigeria zudem die Frauen-WM 1999, als die Falken erst im Viertelfinale mit 3:4 Brasilien unterlagen.

Doch all das nützt wenig. Die Förderung und der Fan-Hype gehen an das Männerteam. Und damit steht der Fußball für das öffentliche Leben allgemein in Nigeria: Auch wenn es immer wieder Politikerinnen, Managerinnen und Beamtinnen in herausgehobenen Positionen gibt – Nigeria ist überwiegend eine Männergesellschaft. Die Macht, das Geld und die öffentliche Aufmerksamkeit gehören den Männern. Dabei retten die Frauen nicht nur die nigerianische Fußball-Ehre. Sie stellen auch sicher, dass die 15 Millionen Einwohner der Megastadt Lagos täglich etwas zu Essen haben. In dieser Stadt gibt es keinen zentralen Großmarkt, wo die Händler ihre Waren kaufen und verkaufen könnten. So bleibt nur ein dichtes und informelles Netz aus Zwischenhändlern, Märkten und tausenden von Kleinst- und Straßenhändlern, damit Lebensmittel aus dem Umland und alle anderen Güter des täglichen Bedarfs in die Riesenmetropole kommen. Dieser Handel ist stark von Frauen dominiert, und über Mama Benz, eine der erfolgreichsten der geschäftstüchtigen und stimmgewaltigen „Cash Madams“, wurde sogar ein Dokumentarfilm gedreht. Die Leistungen der Frauen erscheinen aber in keiner Statistik, da der informelle Sektor nicht Teil des offiziell erfassten Bruttoinlandsprodukts ist.

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