Sport : Niki Lauda im Gespräch: "Wenn Autos in die Zuschauer fliegen, ist Schluss"

Sie haben die Formel 1 einmal als Kindergarten bez

Niki Lauda (52) steht in den Annalen der Formel 1 mit drei Weltmeistertiteln und 25 Grand-Prix-Siegen als einer der erfolgreichsten Fahrer. Seine letzte Saison bestritt der Österreicher 1985, als er jedoch in sieben von acht Rennen nicht das Ziel erreichte. Danach wechselte Lauda die Seite, so ab 1992 als Berater bei seinem einstigen Erfolgsteam Ferrari, kehrte er in dieser Saison mit einem Vertrag bei Jaguar wieder direkt in die Szene zurück.

Sie haben die Formel 1 einmal als Kindergarten bezeichnet, nun sind Sie selbst in eine verantwortliche Position bei Jaguar in die Szene zurückgekehrt. Wie passt das zusammen?

Ein Kindergarten ist die Formel 1 nur, wenn sich die Leute darin zu wichtig nehmen. Im Großen und Ganzen ist das ein Sport, in dem man versuchen muss, zu gewinnen. Wenn man ihn so nimmt, wie es sich für mich darstellt, ganz nüchtern und normal, dann ist er überaus interessant. Für mich war es eine Herausforderung, das Jaguar-Angebot anzunehmen. Mein Prinzip war schon von jeher, nichts im Leben ewig zu machen.

War der Wechsel zu Jaguar für Sie auch Kompensation für den bitteren Abschied von Ihrer Lauda-Air?

Die Art, wie das gelaufen ist, war absolut falsch und nicht korrekt, um das mal auf den Punkt zu bringen. Für mich war schon lange klar, dass es irgendwann krachen musste. Nur Außenstehende waren davon vielleicht überrascht. Irgendwann habe ich den Schlussstrich gezogen. Ich bin eigentlich sehr zufrieden, diese Entscheidung getroffen zu haben, die Lauda-Air an die Austrian Airlines zu verkaufen.

Auch unter dem Aspekt, dass die Lauda-Air doch so etwas wie Ihr Lebenswerk war?

Für mich persönlich ist das weder eine Niederlage noch sonst was. Ich konnte mich doch nicht in ein meiner Meinung nach falsch laufendes System integrieren lassen. Da war es mir lieber, auszusteigen, als so etwas mitzumachen, das ich persönlich als falsch empfinde. Das habe ich mein ganzes Leben so gehalten.

Lassen sich denn die Management-Erfahrungen, die Sie in 15 Jahren mit Lauda-Air gesammelt haben, in der Formel 1 umsetzten?

Mir kommt entgegen, dass ich ja beides habe: Zunächst die Kenntnis der Formel 1 aus meiner Zeit als Fahrer. Da gibt man Gas, und je mehr Gas man gibt, desto besser ist alles. Und je weniger Gas man gibt, desto schlechter. Er war der einfachste Job, denn ich musste nur mein Talent einsetzen. Management ist eine wesentlich mühsamere, härtere Arbeit. Und die habe ich natürlich in diesen 15 Jahren Airline gelernt. Wie man Leute motivieren muss, wie man 2000 Mitarbeiter in die richtige Richtung lenkt.

Glauben Sie, in den eineinhalb Monaten bei Jaguar schon etwas bewirkt zu haben?

Jein, weil ich momentan nur von Kleinigkeiten reden kann, die im Gesamtbild eher unwichtig sind. Ich bin im Moment noch dabei, mir einen genauen Überblick zu verschaffen. Ich werde mich nicht irgendwo einmischen, bevor ich mir nicht ganz sicher bin, dass ich über genügend Kenntnisse verfüge. Schnellschüsse darf sich ein Manager nicht leisten.

Was tun sie momentan konkret?

Ich bin vor allem strategisch denkend unterwegs, muss schauen, was sich in der Formel 1 rundherum abspielt. Ich muss Profile erstellen, herausfinden, wo gute Leute sind.

Die Sie dann holen könnten ...

Richtig, und das Ganze dann so zusammenzubauen, dass Jaguar in der Lage ist - vielleicht in drei Jahren - Rennen zu gewinnen.

Was sagen Sie zum Thema Traktionskontrolle, das wieder in aller Munde ist?

Ich bin eigentlich gegen die Traktionskontrolle, weil sie guten Fahrern etwas wegnimmt. Ich meine, dass Top-Leute eher das Gefühl für Grenzsitituaionen haben. Aber wenn man das Verbot der elektronischen Hilfen nicht kontrollieren kann, dann muss man sie freigeben, das ist schon richtig.

Ein anderes aktuelles Problem ist die Sicherheit: Nach dem Tod des Streckenposten in Melbourne werden weltweit Sofortmaßnahmen gefordert, bis hin zu langsameren Autos. Was kann, was muss man tun?

Man muss ein wenig differenzieren. Die Tatsache, dass Autos nach Unfällen in die Luft katapultiert werden und durch die Gegend fliegen, ist für mich schon lange ein ernstes Problem. Und statt mit der depperten Traktionskontrolle sollten sich die Ingenieure mal lieber damit beschäftigen, wie man verhindern kann, dass die Autos aufsteigen. Da muss man sich halt mal Gedanken machen, über einen Schutz der Räder, Gummipuffer, was weiß ich. Das Problem ist doch uralt, man muss es nur endlich mal angehen. Denn wenn die Autos in die Zuschauer fliegen, dann ist Schluss. Die Fans allerdings immer weiter wegzuschieben, ist auch sinnlos, denn dann schauen sie nicht mehr zu. Das wäre pervers.

Was halten Sie von der Forderung nach langsameren Autos?

Die durch die Reifenentwicklung schnelleren Autos sind kein Problem, denn sie sind ja offensichtlich gut zu fahren und zu kontrollieren. Es gibt auf allen Stecken immer irgendwelche Kurven, die heute am Limit sind und wo der Sturzraum nicht weiter zu vergrößern ist. Mit Unfällen wie den in Melbourne hat das nichts zu tun. Was mich nur wundert ist, dass überhaupt jemand überrascht ist, dass die Formel 1 jetzt deutlich schneller wurde. Wenn man eine neue Reifenfirma holt, wie in diesem Jahr Michelin, dann gibt es auch immer neue Mischungen, mit denen schneller gefahren werden kann.

Vor Saisonbeginn gab es kritische Stimmen zu der Tatsache, dass 2001 sehr junge Fahrer in die Formel 1 gekommen sind. Sind sie überrascht, wie gut sich die Neulinge schlagen?

Nein. Die haben bis jetzt ja auch nicht anderes getan, als Rennen zu fahren. In Wirklichkeit ist die Formel 1 für sie nur schwieriger als das, was sie vorher schon gemacht haben. Der öffentliche Erwartungsdruck ist größer. Wenn sie den aushalten, ist alles andere kein Problem.

Und wer ist der Beste von den Jungen?

Schwer zu sagen, aber der Räikkönen hinterlässt bei Sauber einen sehr guten Eindruck. Der kommt auf einen neuen Kurs und ist gleich auf Anhieb schnell ...

Andererseits werden Klagen darüber geführt, dass der Formel 1 zunehmend Persönlichkeiten fehlten.

Wenn man noch jung ist, kann man kein besonderes Charisma haben, das liegt in der Natur der Sache. Das darf man den Burschen doch nicht vorwerfen.

Sie haben zwei fast erwachsene Söhne, interessieren die sich auch für die Formel 1?

Schon, aber zum Glück nicht so, dass sie selbst fahren wollen.

Hätten Sie es Ihnen denn erlaubt?

Nein, bestimmt nicht. Aber ich habe ihnen die negativen Seiten der Formel 1 auch immer drastisch geschildert.

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