Niko Hülkenberg im Interview : „Die Formel 1 ist ein Mysterium“

Sauber-Pilot Nico Hülkenberg spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über enttäuschte Erwartungen nach seinem Wechsel von Force India zu Sauber und das Gefühl, Sebastian Vettel zu überholen.

Karin Sturm
Stallwechsel. Formel-1-Rennfahrer Nico Hülkenberg ging vor dieser Saison von Force India zum Sauber-Team.
Stallwechsel. Formel-1-Rennfahrer Nico Hülkenberg ging vor dieser Saison von Force India zum Sauber-Team.Foto: dpa

Bisher verlief die Formel-1-Saison für Nico Hülkenberg eher ernüchternd. Nach seinem Wechsel von Force India zu Sauber hatte sich der 25-Jährige regelmäßige Plätze im vorderen Mittelfeld erhofft, doch bis jetzt hat er erst fünf Punkte erreicht. Zudem scheint Adrian Sutil, sein Nachfolger bei Force India, zurzeit deutlich besseres Material zur Verfügung zu haben. Doch Hülkenberg zweifelt nicht an seiner Entscheidung.

Herr Hülkenberg, Sie sagen nach vier Saisonrennen: Unser Auto hat Potenzial, aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Vor der Saison waren Sie noch optimistischer. Haben Sie das erst im ersten Rennen gemerkt?

Ja, bei den Tests ist es noch ein bisschen so, dass man Äpfel mit Melonen vergleicht. Jeder tappt irgendwie im Dunkeln, weil man nicht weiß, mit welcher Spritmenge die anderen unterwegs sind; und die Spritmenge hat immer noch einen Rieseneffekt auf die Performance eines Formel-1-Wagens. Und da man nie genau weiß, was die anderen machen, kann man bei den Tests immer nur raten. Nach den ersten direkten Vergleichen sieht man dann schon besser, wo man steht.

Ist das nicht ziemlich enttäuschend für Sie und das Team? Sie hatten doch bestimmt gehofft, dort anzuknüpfen, wo Sie mit Sauber letztes Jahr aufgehört haben?

Im ersten Moment ist es natürlich eine Enttäuschung. Es darf aber nicht passieren, dass sie sich in negative Energie umwandelt. Ein Formel-1-Jahr ist sehr lang. Das ist jetzt mein drittes aktives Jahr. 2010 und 2012 war es ähnlich: Wir haben mit einem schlechteren Paket angefangen, aber waren am Saisonende in den Punkten. Von daher kenne ich die Situation. Alles, was zählt, ist, an einem Strang zu ziehen, die Probleme zu identifizieren und zu beheben. Wir sind mittendrin.

Was ist das Problem?

Das Auto verhält sich nicht unbedingt so, wie es soll. Der Grip ist nicht da, und generell trifft das auch auf den Abtrieb zu. Hinzu kommt, dass der Grip teilweise ziemlich plötzlich weggeht und man dann natürlich ins Straucheln gerät und rutscht. Das geht dann wiederum auf die Reifen und bringt einen so in eine schwierige Lage.

Jetzt in Barcelona kommen alle Teams mit neuen Teilen, Sauber auch. Ist das schon das Schlüsselrennen – man sagt, was hier funktioniert, funktioniert überall?

Sagen wir es so: Wenn das Auto jetzt nicht funktioniert, ist es natürlich nicht ideal – aber die Saison ist dann trotzdem noch nicht vorbei. Wir setzen schon große Hoffnung in die neuen Teile, die wir jetzt hierher mitbringen – die müssen funktionieren, ansonsten wird es natürlich immer schwieriger.

Bei Ihnen kommt in dieser schwierigen Situation noch Ihr Teamwechsel hinzu – Ihr altes Team, Force India, scheint im Moment ein wesentlich stärkeres Auto zu haben. Macht Sie das nicht nachdenklich?

Das muss man völlig ausblenden. Ich habe eine Entscheidung getroffen, hinter der stehe ich und von der bin ich nach wie vor überzeugt. Meine Gedanken drehen sich im Moment nur darum, wie wir es herumbiegen können. Das sind bis jetzt ohnehin nur Momentaufnahmen. Es gibt 19 Rennen – an einem Sonntag glänzt ein Team, an einem anderen ist alles schwarz.

In China haben Sie das Rennen acht Runden lang angeführt. War das eine Bestätigung, dass Sie auf dem richtigen Weg sind?

Man muss ehrlich sein: Wir haben natürlich vor allem deshalb geführt, weil wir auf einer anderen Strategie unterwegs waren. Ich habe Jenson Button und Sebastian Vettel überholt, dadurch sind wir erst in Führung gegangen. Das war ein sehr angenehmes und positives Gefühl – und es gibt uns ein gewisses Momentum.

Beim Rennen in China waren es auch Reifenprobleme durch veränderte Temperaturen, wodurch Sie ein besseres Ergebnis verpasst und am Ende nur einen Punkt geholt haben. Frustriert Sie das?

So ist Racing, so waren die Bedingungen, das können wir nicht beeinflussen. Andere haben das besser hingekriegt und ihre Performance gehalten. Darum ist die Formel 1 eben so ein Mysterium, weil so viele Details und äußere Umstände mit hineinspielen. Ich bin und war nicht der große Reifenkritiker, denn letztes Jahr war es am Anfang genauso schwierig.

Das Gespräch führte Karin Sturm.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben