Sport : Niko Kovac kommt nach Hause

Bayerns Mittelfeldspieler verzichtet auf Geld, um für Hertha zu spielen – Hoeneß: Planung für neue Saison abgeschlossen

Klaus Rocca

Berlin . Zuletzt geriet Dieter Hoeneß unter Zeitdruck. Da wurde aus Dortmund bekannt, dass auch die Borussia an Niko Kovac interessiert ist. Doch Hoeneß, Manager von Hertha BSC, ging beim Pokern um Kovac ebenso als Sieger hervor wie einst beim Tauziehen mit seinem Bruder Uli vom FC Bayern um Sebastian Deisler bei dessen Weggang aus Gladbach. Seit gestern steht fest: Niko Kovac kehrt zum Berliner Fußball-Bundesligisten zurück. Nach einer Telefonaktion mit dem Meister aus München, Kovac und dessen Berater, dem früheren Herthaner Jürgen Milewski, war der Transfer perfekt. Kovac wird in den nächsten Tagen einen Zweijahresvertrag unterschreiben. Der Vertrag würde sich automatisch um ein Jahr verlängern, würde Kovac in der Saison 2004/2005 eine bestimmte Anzahl von Spielen bestreiten.

Obwohl Kovacs Vertrag beim FC Bayern München noch bis 2005 läuft, kostet er keine Ablösesumme. Damit kommt der FC Bayern, der dafür seine monatlichen Belastungen verringern möchte, Hertha entgegen. Nach dem vergangenen Pokalfinale in Berlin hatten sich Uli und Dieter Hoeneß bereits auf diese Modalität geeinigt.

Dennoch wird Herthas Etat erheblich belastet, weil Kovac in München über zwei Millionen Euro pro Saison kassiert haben soll. „Er verzichtet aber auf viel Geld. Für ihn ist die sportliche Perspektive wichtiger“, sagt Hoeneß. Beim FC Bayern bestritt er in der letzten Saison lediglich 18 Spiele, allerdings auch bedingt durch Verletzungen. Dem Vernehmen nach hat ihm Trainer Huub Stevens bei Hertha einen Stammplatz zugesagt.

Der 31-jährige Kovac soll bei Hertha im zentralen Mittelfeld spielen und neben dem ebenfalls neu verpflichteten Fredi Bobic eine Führungsrolle übernehmen. „Er hat eine große Ausstrahlung und enorme Erfahrung, zudem Raffinesse und Siegermentalität. Damit ist er für eine derartige Rolle prädestiniert“, sagte Hoeneß. Stevens baut sowohl auf die offensiven als auch auf die defensiven Qualitäten des Kroaten.

Kovac war bereits am Montag, von der Öffentlichkeit unbemerkt, in Berlin und unterzog sich dabei einer Untersuchung durch Herthas Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher. Demnächst soll noch ein Routine-Check folgen. Derzeit bereitet sich Kovac auf das Europameisterschafts-Qualifikationsspiel Kroatiens in Estland vor. Während bei Hertha bereits am 22. Juni Trainingsauftakt für die neue Saison ist, kommt Kovac wie die anderen Nationalspieler erst eine gute Woche später in die Hauptstadt.

„Ich freue mich, wieder nach Berlin zurückzukehren. Für meine Entscheidung war ausschlaggebend, dass ich in einem sehr guten Klub eine wichtige Rolle spielen möchte. Diese Perspektive war für mich wichtiger als der finanzielle Aspekt“, sagte Kovac. Er bestritt von 1991 bis 1996 für Hertha BSC 148 Zweitligaspiele, in denen er 15 Tore erzielte. Vorher spielte er, wie sein Bruder Robert, bei Hertha Zehlendorf und Rapide Wedding. Von Hertha BSC wechselte er zu Bayer Leverkusen, über den Hamburger SV kam er 2001 zum FC Bayern.

Vor Kovac hatte Hertha mit Artur Wichniarek (von Arminia Bielefeld) und Fredi Bobic (Hannover 96) zwei Stürmer verpflichtet. „Damit sind unsere Planungen für die neue Saison abgeschlossen“, sagte Hoeneß.

In Fußballkreisen wird spekuliert, dass die Hoeneß-Brüder beim Transfer Niko Kovacs einen Deal vereinbart haben. Danach würde Arne Friedrich nach dem Ablauf seines Vertrages 2005 zu den Münchnern wechseln. Genährt werden diese Vermutungen dadurch, dass es Friedrich bislang abgelehnt hat, seinen Kontrakt bei Hertha vorzeitig zu verlängern, wie es von Dieter Hoeneß gewünscht wird.

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